ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2005Sterbehilfe: Versteckte Botschaft
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LNSLNS Beim Lesen dieses umfangreichen Artikels gewann ich den Eindruck, dass er eine versteckte Botschaft von ungeheurer Tragweite enthält, nämlich: Wenn ein Mensch „keinen Nutzen aus seinem Leben“ zieht, kann man dieses Leben beenden. Diese Botschaft widerspricht erstens unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das heißt, jeder Mensch – unabhängig von seinem geistigen Zustand und unabhängig von Nützlichkeitserwägungen – hat die gleiche Würde und das gleiche Recht auf Leben. Nicht der Nutzen, den einer aus seinem Leben zieht, ist von Bedeutung, sondern das Leben selbst ist das zu schützende Gut. Die genannte Botschaft widerspricht zweitens auch dem christlichen Menschenbild, auf dem unsere Kultur fußt und nach dem jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist – wunderbar gemacht (Psalm 139) und so wertvoll, dass Gott seinen Sohn dafür hingegeben hat (Joh. 3,16). Die Frage, „ob es gerechtfertigt ist, bei Wachkoma die Sondenernährung einzustellen“, reduziert sich also auf die Frage, ob es sich beim Entfernen der Sonde um Tötung handelt oder nicht. Dabei ist es gleichgültig, ob der Betroffene ein Wachkomapatient oder dement oder geistig gesund ist. Die Diskussion über diese Frage kann man anhand eines Beispiels sehr kurz machen: Ein früherer Patient von mir wurde wegen einer Schluckstörung infolge Hirnblutung und Zustand nach Pharynx-Karzinom über eine Sonde ernährt. Geistig war er vollkommen in Ordnung und über die Bedeutung der Sonde aufgeklärt. Anfangs drohte er immer wieder damit, sich die Sonde entfernen zu wollen. Welche Absicht hätte man ihm unterstellt, wenn er diese Drohung wahr gemacht hätte? Natürlich die Absicht der Selbsttötung. Damit ist wohl klar, dass es sich beim Einstellen der Sondenernährung um Tötung handelt.
Dr. med. Winfrid Gieselmann, Danziger Straße 59, 75417 Mühlacker
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