ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2005Sterbehilfe: Erhaltung des Lebens als immer geltende Regel
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS In dem Beitrag von Synofzik und Marckmann wird zu Recht dargelegt, dass eine pflegerische oder medizinische Maßnahme nicht nur einen physiologischen Effekt, sondern auch einen „Nutzen“ für eine Patientin oder einen Patienten haben muss und dass bei der Frage nach dem „Nutzen“ in erster Linie der Wille der oder des Betroffenen von entscheidender Bedeutung ist. Liegt keine solche Willensbekundung vor, so müsse auf den mutmaßlichen Willen des oder der Betroffenen zurückgegriffen werden. Richtigerweise betonen die Autoren, dass die „Rekonstruktion eines mutmaßlichen Willens“ immer spekulativ bleibt. Bei der „Rekonstruktion eines mutmaßlichen Willens“ handelt es sich um einen kommunikativen Prozess zwischen Angehörigen und dem Behandlungsteam. Sowohl aufseiten der Angehörigen als auch aufseiten der Behandelnden fließen in eine solche Entscheidung notwendigerweise immer die eigene Grundhaltung und die persönliche Situation mit ein. Die Ermittlung des mutmaßlichen Willens unterliegt also immer situativen und gesellschaftlichen Einflüssen, die nicht streng auf die Patientin oder den Patienten bezogen sind. Auf die Ermittlung eines mutmaßlichen Willens sollten sich deshalb Pflegende, Ärztinnen und Ärzte nicht einlassen, sondern die Erhaltung des Lebens und die Linderung von Leiden als immer geltende Regeln umsetzen. Wer mit dem mutmaßlich fehlenden Bewusstsein einer Patientin wie Terri Schiavo argumentiert, dass Hunger und Durst nicht mehr bewusst wahrgenommen werden können, der muss umgekehrt auch zugeben, dass sie dann mutmaßlich unter ihrem Leben mit Sondenernährung auch nicht bewusst leidet. Das bedeutet, es geht nicht darum, durch den Tod der Wachkomapatientin das Leiden ihrer Umgebung an ihr zu beenden, sondern in einem ethisch nicht anders lösbaren Einzelfall die normative Setzung des Rechts auf Leben für jeden Menschen durchzuhalten.
Dr. med. Ulrich Morlock,
Rhönstraße 55, 60316 Frankfurt am Main
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige