ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2005zu Hedge-Fonds: Einiges im Busch

VARIA: Schlusspunkt

zu Hedge-Fonds: Einiges im Busch

Dtsch Arztebl 2005; 102(41): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wenn es eine Anlageform in den letzten Jahren gab, die mit exorbitanten Zuwachsraten glänzen konnte, dann kann nur die Rede von Hedge-Fonds sein. Früher eine Domäne einiger weniger professioneller Investoren, hat die Hedge-Welle längst auch die privaten Anleger erreicht, zu unglaublich klangen die Erfolgsmeldungen.
Warnungen renommierter Experten wurden als Neidhammelei in den Wind geschlagen, und selbst der kritische Ruf des obersten Währungshüters der USA, Alan Greenspan, Hedge-Fonds wären durchaus eine Gefahr für das Weltfinanzsystem, wurde nicht wirklich ernst genommen. Genau betrachtet ist es höchste Zeit, die Warnungen endlich ernst zu nehmen. Es entwickelt sich hier eine riesige Blase, die, wenn sie platzt, in der Tat zu einer ernsten Destabilisierung der Finanzmärkte führen kann, vor allem, weil Hedge-Fonds kaum einer staatlichen Kontrolle unterliegen, da sie in aller Regel in irgendeiner der Steueroasen Cayman Islands, Bahamas, Bermudas oder British Virgin Islands domizilieren und die Aufsichtsbehörden dort bestenfalls lax ihre Kontrollpflichten ausüben, wenn überhaupt.
Weltweit gibt es mittlerweile 8 000 Hedge-Fonds mit einem verwalteten Vermögen von eier Billion Dollar. Nun kann der Betrachter mit solchen Zahlen auch nicht allzu viel anfangen, erst daraus gezogene Relationen machen ein wenig das Erkenntnisfenster auf. Etwa der Zusammenhang, dass der verwaltete Geldbetrag lediglich zwei Prozent der weltweit gehandelten Aktien und Anleihen ausmacht, aber Hedge-Fonds für ein Viertel der täglichen Handelsaktivitäten an den Weltbörsen verantwortlich sind.
Mit anderen Worten: Hedge-Fonds drehen ein Riesenrad. Das machen sie vor allem mit dem so genannten Leverage-Hebel, sie nehmen also ein Vielfaches des eigenen Geldes an Krediten auf, und bewegen somit das Zigfache des eigentlich verantwortbaren Volumens. Dabei waren in den letzten beiden Jahren die meisten Hedge-Fonds so erfolgreich gar nicht, der erste Lack ist also ohnehin ab und hat herben Enttäuschungen bei so manchen Anlegern Platz gemacht.
Zum strukturellen Risiko kommt noch die offenbar schwelende kriminelle Energie, mit der, wie es scheint, der eine oder andere Hedge-Fonds-Manager ausreichend ausgestattet ist.
Der Fonds „Bayou“ hat sich in diesen Tagen vor einem US-Bundesgericht des Betrugs und der Verschwörung schuldig bekannt. Seit der Gründung vor sieben Jahren erwirtschaftete das Management in keinem einzigen Jahr ein positives Ergebnis. Den Anlegern flatterten gleichwohl beeindruckende Wertentwicklungen ins Haus, mit einem einzigen Makel, sie waren halt gefälscht. Ein Einzelfall ist „Bayou“ durchaus nicht. Die Behörden ermitteln etwa auch gegen den in Florida beheimateten Fonds KL Group. Sollten die Behörden noch mehr auf den Busch klopfen, sie würden sicher weiter fündig.
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