ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1997Umfrage der Bezirksärztekammer Pfalz bei niedergelassenen Ärzten: Welchen Stellenwert haben umweltmedizinische Belastungen?

POLITIK: Aktuell

Umfrage der Bezirksärztekammer Pfalz bei niedergelassenen Ärzten: Welchen Stellenwert haben umweltmedizinische Belastungen?

Dommes, Christian; Großer, Jürgen P.

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LNSLNS Im Ausschuß für Umwelt und Gesundheit der Bezirksärztekammer Pfalz wurde im Sommer 1995 beschlossen, die niedergelassenen Ärzte des Bezirks zu befragen, welchen Stellenwert sie den umweltmedizinischen Belastungen ihrer Patienten beimessen. Über den begrenzten Aussagewert einer solchen subjektiven Einschätzung waren sich die Beteiligten im klaren. Andererseits sind die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen diejenigen, denen für solche Abschätzungen wahrscheinlich die verläßlichsten Informationen zur Verfügung stehen


1 990 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte im Bereich der Bezirksärztekammer Pfalz wurden im Dezember 1995 und im Januar 1996 um die Beantwortung folgender Fragen gebeten: ¿ Wieviel Prozent Ihrer Patienten suchen Sie nach Ihrer Einschätzung von sich aus wegen umweltmedizinischer Probleme auf? À Bei wieviel Prozent Ihrer Patienten vermuten Sie umweltmedizinische Zusammenhänge? Á Bewerten Sie 20 Umweltnoxen hinsichtlich des Auftretens nach "häufig", "selten" und "nie" (unter diesen 20 Noxen verbarg sich auch die Frage nach "psychischen Überlagerungen"). Frei konnten "andere häufigere oder bedeutsame Umweltnoxen (auch am Arbeitsplatz)" genannt werden. Belastungen durch Tabak, Alkohol und andere Drogen sowie Medikamentenmißbrauch sollten ausgeklammert werden. Schließlich wurde um generelle Anregungen zur Umweltmedizin gebeten.
634 Kolleginnen und Kollegen antworteten, 537 Antwortbögen waren auswertbar. Das entspricht einem Rücklauf von 27 Prozent – ein gutes Ergebnis, das erhebliches Interesse unter den Kammermitgliedern widerspiegelt. Bei der Beantwortung von Frage 1 zeigte sich, daß nach Auffassung der meisten Ärzte nur wenige Patienten von sich aus die Praxis wegen umweltmedizinischer Probleme aufsuchten (Tabelle 1). Interessant ist, daß die Ärzte selbst hingegen häufiger umweltmedizinische Zusammenhänge bei den Erkrankungen ihrer Patienten vermuteten (Tabelle 2).
Bei Frage 3 (Bewertung von 20 Umweltnoxen) stehen erwartungsgemäß und, soweit sich das sagen läßt, offenbar in guter Übereinstimmung mit den realen Belastungssituationen Fremdstoffe in Lebensmitteln, Körperpflegemittel, Kosmetika, Schimmelpilze und Haushaltschemikalien an der Spitze. Wie in manchen anderen Untersuchungen wird bei dieser Erhebung mit 66 Prozent zu einem hohen Prozentsatz eine psychische Überlagerung angenommen (Tabelle 3).
Interessanterweise erfolgten darüber hinaus 76 freie Nennungen. In der Mehrzahl waren sie aber den genannten Noxen zuzuordnen. Häufiger als dreimal fanden Rauchen, Hausstaub/Milben, Klimaanlagen, Lärm und Bildschirmarbeitsplätze Erwähnung.
Die Aufschlüsselung der Einschätzungen nach Berufsgruppen ergibt im Grunde statistisch keine relevanten Ergebnisse. Auch eine Bewertung der Befragungsergebnisse nach Städten und Landkreisen ist nur sehr eingeschränkt möglich. Die niedrige Beteiligung von Ärzten aus Ludwigshafen an der Befragung ist wohl einerseits Ausdruck dafür, daß dort das Thema Umwelt ständig und in engem Kontakt mit der Bevölkerung behandelt wurde und wird. Andererseits ist darin auch ein Beleg für die umfangreichen Schutzmaßnahmen von seiten der Industrie (BASF) zu sehen. Der hohe Rücklauf aus dem nicht durch Industrie geprägten Stadtkreis Zweibrücken findet eine Erklärung möglicherweise in früheren und jetzigen Industrieanlagen (Stahl, Kraftwerke) des westlich benachbarten Saarlandes.
Im Anschluß an die Fragen wurden in großer Zahl weitere Anregungen zur Umweltmedizin gegeben. Die Befragung hat der Arbeit des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit zahlreiche Impulse gegeben und das Interesse an umweltmedizinischen Fragen im Kammerbereich deutlich gemacht.


Dr. med. Christian Dommes Facharzt für Urologie Hauptstraße 18 66953 Pirmasens


Prof. Dr. med. Jürgen P. Großer Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin
Marie-Juchacz-Weg 8
67134 Birkenheide/Pfalz

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