ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2005Krankenhausmarkt: Jäger und Gejagte

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Krankenhausmarkt: Jäger und Gejagte

Dtsch Arztebl 2005; 102(42): A-2821 / B-2385 / C-2249

Flintrop, Jens

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LNSLNS Es schien nur eine Frage der Zeit, dass die Helios-Kliniken GmbH einen weiteren Zukauf vermeldet und im Wettstreit um die Marktführerschaft auf dem Krankenhausmarkt an den Asklepios Kliniken und der Rhön-Klinikum AG vorbeiziehen würde. Am 14. Oktober wurden aus den Jägern Gejagte: Die Fresenius AG vermeldete die Übernahme des Helios-Konzerns für 1,5 Milliarden Euro.
Fresenius ist weltweit tätig und gliedert sich in drei Bereiche: Fresenius Medical Care (Dialyse), Fresenius Kabi (Ernährungs- und Infusionstherapie) und Fresenius ProServe (Krankenhausmanagement). 2004 erwirtschaftete der Konzern bei 7,3 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn von 168 Millionen Euro. Die im DAX gelistete Fresenius Medical Care steuerte zwei Drittel des Umsatzes bei. Sorgenkind des Konzerns war die Fresenius ProServe, die einen Verlust von zehn Millionen Euro verbuchte. In diese Sparte, die aus den 31 Wittgensteiner Kliniken (13 Akut- und 18 Rehabilitationskrankenhäusern) besteht, sollen nun die 24 Akutkrankenhäuser von Helios integriert werden. Helios ist seit 2002 im Durchschnitt um 28 Prozent jährlich gewachsen. 2004 lag der Umsatz bei 1,2 Milliarden Euro, der Gewinn bei 66 Millionen Euro.
Finanziert werden soll die Akquisition über eine Anleihe und eine Kapitalerhöhung. Das Helios-Management bleibt verantwortlich und hält weiterhin sechs Prozent der Anteile. 94 Prozent der Anteile erwirbt Fresenius von der Eigentümerfamilie Helmig. Unternehmensgründer Dr. med. Lutz Helmig (59), Chirurg, zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück.
Fresenius stand vor der Entscheidung, die defizitäre Krankenhaus-Sparte zu verkaufen oder durch Übernahmen wettbewerbsfähig zu machen. Die Geschäftsführung entschied sich für die Flucht nach vorne. Ein Grund dafür mag gewesen sein, dass Helios-Kliniken ihre Patienten bald in Wittgensteiner Kliniken zur Rehabilitation schicken können. Absehbar ist auch, auf wessen Produkte Helios künftig bei Patienten mit chronischem Nierenversagen zurückgreift.
Fresenius kündigte bereits an, „weiter zu wachsen und am Privatisierungsprozess teilzunehmen“. Da der Konzern, weil börsennotiert, einen direkteren Zugang zum Kapitalmarkt hat als Helios, sind weitere Zukäufe – mehr denn je – nur eine Frage der Zeit. Es sei denn, aus den Jägern werden . . . Jens Flintrop
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