ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2005Gesundheitsreform: Einkaufspolitik

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Gesundheitsreform: Einkaufspolitik

Dtsch Arztebl 2005; 102(42): A-2821 / B-2385 / C-2249

Clade, Harald

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LNSLNS Noch bevor bei den Koalitionsverhandlungen die Sachthemen in Angriff genommen wurden, haben sich einzelne Verbände positioniert.
Die Interessentengruppen setzen auf solidarischen Wettbewerb und einen forcierten Leistungs- und Qualitätswettbewerb im stationären Sektor. Krankenkassen und Krankenhausträger sind in manchen Punkten in ihren Forderungen fast deckungsgleich. So will beispielsweise die Deutsche Krankenhausgesellschaft die dreiseitigen Verträge beim klinikambulanten Operieren auf zweiseitige Abmachungen zwischen Kassen und Krankenhäusern umstellen, weil die Kassenärzte angeblich blockieren. Die Klinikmanager wollen die sektorale Budgetierung ebenso wie die straffe Angebotsplanung beenden und auf eine Rahmenplanung begrenzen.
Konkreter sind die Forderungen der Ortskrankenkassen. Sprecher warben vor Krankenhausmanagern in Biersdorf um einen gemeinsamen Deal zwischen Kassen und Krankenhausträgern. Sie sollten künftig eine Art Einkaufs-Verkaufs-Politik betreiben. Dadurch könnten sich die Krankenhäuser weiter spezialisieren und bedarfsgerecht Leistungen „verkaufen“. Grundlage müsse aber eine Budgetplanung und eine Kalkulation aufgrund einer Leistungsplanung sein.
Im Übrigen mäkeln die Ortskrankenkassen an der „zu langen“ Konvergenzphase beim Fallpauschalensystem ebenso wie an den „ungerechtfertigten“ Kosten- und Preisdifferenzen am Rande des DRG-Systems herum. Es gebe zu viele Zuschläge und Ausnahmen bei der Maximalversorgung, die den Krankenhausträgern quasi Selbstkostendeckung garantierten und vom politisch beabsichtigten 100-Prozent-Ansatz des DRG-Vergütungssystems abrückten.
Die Krankenkassen wollen mehr Verhandlungsmacht, sie beanspruchen eine größere „Definitionsmacht“ und die Befugnis, die Standortplanung nach qualitativen Vorgaben für alle Krankenhäuser allein zu bestimmen. Für jedes Land und für jede Region sollen Leistungskontingente auf der Basis von Orientierungsdaten vorgegeben werden – mit Vollzugsverbindlichkeit. Dass dann auch die Vergütungssysteme „harmonisiert“, das heißt gleichgeschaltet, werden, ist nur noch der Schlussstein in der AOK-Programmatik. Dr. rer. pol. Harald Clade
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