ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1997Zentrum für Klinische Umweltmedizin: Interdisziplinäres Versorgungskonzept

POLITIK: Aktuell

Zentrum für Klinische Umweltmedizin: Interdisziplinäres Versorgungskonzept

Eikmann, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Das Hessische Zentrum für Klinische Umweltmedizin (HZKUM) ist seit Juni letzten Jahres an der Justus-Liebig-Universität Gießen etabliert. Es verfolgt ein Konzept der ambulanten und stationären Betreuung von umweltmedizinischen Patienten und bietet durch seine Organisationsstruktur alle Voraussetzungen für eine den heutigen Bedürfnissen angemessene umweltmedizinische Versorgung. Aus strukturellen Überlegungen heraus ergab sich die Notwendigkeit, die umweltmedizinische Zusammenarbeit der verschiedenen klinischen Disziplinen zu verstärken, ohne die klassischen Methoden der jeweiligen eigenen Fachgebiete zu vernachlässigen.
Die folgenden Fachgebiete sind im HZKUM strukturell miteinander vernetzt: Hygiene und Umweltmedizin, Arbeits- und Sozialmedizin, Dermatologie, Allergologie und Andrologie, Psychosomatik, Innere Medizin, Kinderheilkunde, Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Psychiatrie, Neurologie, Pathologie sowie Rechtsmedizin. Die Umweltmedizinische Ambulanz (UMA) des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin koordiniert alle Aktivitäten. Sie veranlaßt auch die Grundanamneseerhebung, die Festlegung sowie mögliche Human-Monitoring- beziehungsweise Ambient-Monitoring-Untersuchungen.


Festes Diagnoseschema
Für den umweltmedizinischen Patienten besteht ein festes Diagnose- und Untersuchungsschema. Er wird anhand eines Patientenlaufzettels nach entsprechender Indikation zu den klinischen und theoretischen Bereichen geleitet. Fachpsychotherapeutische Erstinterviews erlauben eine differenzierte Einschätzung psychosozialer (Begleit-)Ursachen der Symptomatik. Außerdem verfügt das HZKUM über umfangreiche Kapazitäten der speziellen Schadstoffanalytik (mit fachlich adäquater Bewertung) in verschiedenen Umweltlaboratorien. Erforderlichenfalls können Ortsbegehungen mit externen Schadstoffmessungen, zum Beispiel im häuslichen Umfeld der Patienten, vorgenommen werden. Zudem besteht die Möglichkeit, Patienten in eigenen, zur Zeit von der Dermatologie zur Verfügung gestellten Betten stationär aufzunehmen.


Regelmäßige Fallbesprechungen
Alle Befunde aus den kooperierenden Fachbereichen werden von der UMA in einer zentralen Patientenakte zusammengetragen. Das weitere Vorgehen wird regelmäßig bei interdisziplinären Fallbesprechungen koordiniert. Sind alle Untersuchungen abgeschlossen und ist das weitere Verfahren festgelegt, findet ein umweltmedizinisches Abschlußgespräch mit dem Patienten statt.
Das HZKUM strebt an, die Erfahrungen aus ambulanter und klinischer Tätigkeit wissenschaftlich zu dokumentieren und zu bewerten. Zudem wird eine enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kollegen und auch Experten aus dem Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens gesucht, um eine fachlich sinnvolle umweltmedizinische Beratung zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit internen und externen Kooperationspartnern sollen darüber hinaus Forschungsvorhaben zur Entwicklung von Kriterien und Standards für die Klinische Umweltmedizin durchgeführt werden.


Prof. Dr. med. Thomas Eikmann
Hessisches Zentrum für Klinische Umweltmedizin
Friedrichstraße 16
35385 Gießen

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote