BRIEFE

Psychiater: Falscher Eindruck

Dtsch Arztebl 2005; 102(42): A-2860 / B-2415 / C-2276

Berndt, Gero

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Foto: Andreas Spengler
Foto: Andreas Spengler
Si tacuisses – ich meine der Artikel wäre besser weder (so) geschrieben noch (ausgerechnet) im DÄ veröffentlicht worden. Es geht da um eine Veranstaltung des evangelischen Kirchentages in Hannover, anlässlich dessen das Thema Nazi-„Euthanasie“ und Zwangssterilisation „in das Bewusstsein der Kirche gerückt“ wurde – nach immerhin 65 Jahren. Wenn im Zusammenhang mit NS-Themen Gedenkstunden, mehr oder weniger salbungsvoll, mit und ohne musikalischen Rahmen, abgehalten werden, klingeln vielen Verwandten und Bekannten der Opfer die Ohren. Der Artikel vermittelt den Eindruck, die evangelische Kirche mit ihrem problematischen Obrigkeitsverständnis seinerzeit sei schieres Opfer des Nationalsozialismus gewesen. Zu 90 Prozent nicht. Und wenn bei einer solchen Betroffenheitsveranstaltung lediglich „eine breite Öffentlichkeit hergestellt“ wurde, ohne gleichzeitig die eigene Schuld des Wegsehens, Weghörens wenigstens anklingen zu lassen, so wäre es ehrlicher, auf solche wohlfeilen Gedenkstunden zu verzichten. Auch die Wortwahl der zitierten Redner ist fragwürdig. Es ging zur NS-Zeit im Zusammenhang mit dem Rassenwahn nie um lediglich „medizinische Verirrungen“, sondern um Verbrechen – auch nach der damaligen nominellen Gesetzeslage. Und wer heute noch behauptet, die Intention zum Morden an Hilflosen sei die „Erlösung der Gesellschaft vom Leiden“ gewesen bzw. „Personen vom Leiden zu erlösen“, redet wider besseres Wissen. Hitler hatte kein Mitleid – höchstens mit seinem Schäferhund . . .
Dr. med. Dr. med. dent. Gero Berndt, Bucher Straße 67,
90419 Nürnberg
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