ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1997Tschechische Republik: Approbationsprüfung für ausländische Ärzte

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Tschechische Republik: Approbationsprüfung für ausländische Ärzte

Pfeifer, Ivan

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LNSLNS Aufgrund früherer Abkommen der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik mit Staaten des ehemaligen Ostblocks und einigen anderen, darunter Indien, haben die Hochschulabsolventen dieser Länder einen Anspruch auf die Anerkennung ihrer Diplome, ohne daß die Qualität der Ausbildung berücksichtigt würde. Eine Änderung der entsprechenden internationalen Abkommen ist derzeit nicht in Sicht. Deshalb hat das tschechische Ge­sund­heits­mi­nis­terium 1994 gemeinsam mit der Ärztekammer eine Approbationsprüfung für ausländische Ärzte eingeführt.


Die Einführung einer Approbationsprüfung für ausländische Ärzte wurde vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium mit der Ärzteschaft abgestimmt und fand deren volle Unterstützung. Die Vertreter der Prüfungskommission werden von der tschechischen Ärztekammer vorgeschlagen und daraufhin vom Ge­sund­heits­mi­nis­ter ernannt. Der Kommission gehören in der Regel Professoren oder Dozenten der Medizinischen Fakultäten der Karlsuniversität in Prag, Pilsen und Königgratz sowie der Masaryk-Universität in Brünn an.
Es gibt jährlich zwei Prüfungstermine, einen im Mai und einen im November. Den ersten Teil der Prüfung bildet ein schriftlicher Test. Erreichen die Kandidaten mindestens 60 Prozent an richtigen Antworten, werden sie zur mündlichen Prüfung zugelassen. Die Prüfungsfragen haben das Niveau der Staatsprüfung in den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Pädiatrie. Ziel ist es, nicht nur die entsprechenden medizinischen Kenntnisse, sondern auch die Kommunikationsfähigkeit in der tschechischen Sprache zu überprüfen. Haben die ausländischen Ärzte diese zwei Teile der Prüfung erfolgreich absolviert, erhalten sie eine sechsmonatige Berufserlaubnis für die Tschechische Republik. Endgültig zugelassen werden die ausländischen Ärzte, nachdem sie den dritten Teil der Prüfung absolviert haben: sie müssen in einem Fachgespräch ihre fundierten Kenntnisse des tschechischen Gesundheitswesens und der einschlägigen Gesetze sowie die positive Bilanz ihrer sechsmonatigen ärztlichen Tätigkeit nachweisen. Ähnlich wie für die Humanmediziner hat das tschechische Ge­sund­heits­mi­nis­terium Approbationsprüfungen für Zahnärzte und Pharmazeuten organisiert. In diesen Fällen arbeitete das Ministerium mit der Tschechischen ZahnärzteKammer und der Tschechischen Kammer der Pharmazeuten zusammen. Die mündlichen Prüfungen der Zahnärzte beinhalten die Fächer Innere Medizin, Chirurgie, Prothetik und Orthodontie, Konservierende Stomatologie, Pädostomatologie und Stomatochirurgie. Die Prüfungen der Pharmazeuten umfassen die Fächer Pharmazeutische Chemie, Pharmakognosie, Sozial-Pharmazie, Pharmazeutische Technologie und die Kontrolle chemischer Arzneimittel.
Die Approbationsprüfungen haben sich von Anfang an als gerechtfertigt erwiesen. Zu den vier Prüfungsterminen, die bislang angesetzt wurden, haben sich 72 Kandidaten (Ärzte, Zahnärzte und Pharmazeuten) angemeldet. Die meisten stammten aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion (31) und aus Jugoslawien (29). Lediglich ein Drittel von ihnen hat die Prüfungen erfolgreich abgeschlossen. Die besten Ergebnisse erzielten die Ärzte aus dem früheren Jugoslawien. Auch in der Vorbereitung neuer Gesundheitsgesetze wird mit Approbationsprüfungen für ausländische Ärzte, Zahnärzte und Pharmazeuten gerechnet. Erst durch die neue Formulierung der Abkommen und die Annullierung des automatischen Zulassungsanspruches der Hochschulabsolventen aus dem ehemaligen Ostblock könnte diese eingeführte Praxis geändert werden.


Internationale Vorbilder
Die Approbationsprüfungen wurden ursprünglich direkt von der Abteilung für Medizinische Wissenschaft und Bildung des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums abgehalten. Im Jahre 1995 wurde die Organisation der Prüfungen an das Institut für ärztliche Weiterbildung übertragen. Seither ist die Approbationsprüfung gebührenpflichtig. Für Ärzte, die für eine begrenzte Zeit von tschechischen Instituten und Kliniken eingeladen werden, um ihre Kenntnisse zu vermitteln, gilt die Regelung selbstverständlich nicht. Diskutiert wird auch, ob den Ärzten, die eine ausreichende Qualifikation nachweisen können, vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium die Zulassung durch eine erleichterte Form der Approbationsprüfung (Fachgespräch) erteilt werden kann. Die neuen Approbationsprüfungen für Ärzte stellen eine bedeutende Änderung dar. Doch der internationale Vergleich zeigt, daß bereits viele Staaten ähnliche Prüfungen für ausländische Ärzte eingeführt haben, allen voran die USA.
Ivan Pfeifer,
Tschechisches Ge­sund­heits­mi­nis­terium

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