ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2005Private Kran­ken­ver­siche­rung: Aus dem Ruder

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Aus dem Ruder

Dtsch Arztebl 2005; 102(43): A-2893 / B-2445 / C-2305

Clade, Harald

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LNSLNS Die Kosten- und Ausgabenstruktur bei der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) gerät immer mehr in eine Schieflage: Während im vergangenen Jahr der niedrigste Anstieg bei den Ausgaben beziehungsweise den Erstattungsleistungen an die Versicherten seit 15 Jahren registriert wurde, ging die Privatassekuranz erneut bei den Abschluss- und Verwaltungskosten in die Vollen. Im Geschäftsjahr 2004 erreichten diese zusammen den Rekord von 3,07 Milliarden Euro, der in die immer teureren Prämien und Tarife eingeht. Dieses entspricht 77,9 Prozent der Erstattungsleistungen für ambulante Privatbehandlung im gleichen Jahr.
Bereits vor Jahren hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt ein Einschreiten gefordert – schon aus Verbraucherschutzgründen. Jetzt erhöht sich der Druck auf die PKV – nicht nur durch das Schreckgespenst der Bürgerversicherung und die Androhung, auch die PKV in den Risiko­struk­tur­aus­gleich einzubeziehen. Trotz aller Wehklagen: Bei der PKV laufen vor allem die hausgemachten Kosten davon. Inzwischen beträgt die Abschlusskostenquote der PKV mehr als acht Prozent und ist damit doppelt so hoch wie die der Verwaltungskosten (3,06 Prozent). Die Branche exkulpiert sich damit, dass der Konkurrenzkampf immer aggressiver geworden sei und eine Menge getan werden müsse, um den Bestand an Vollversicherten bei derzeit fast acht Millionen Personen zu erhöhen oder zumindest zu stabilisieren.
Dennoch ist bei der PKV etwas in Unordnung geraten: Ein Vermittler erhält eine Provision von drei bis vier Monatsbeiträgen. Berichtet wird aber auch von Abschlussprämien in Höhe von bis zu 16 Monatsprämien. Bei der viel rentableren Kapital-Lebensversicherung erhält der Agent dagegen einen Abschlussbonus zwischen 2,5 und 4,5 Prozent der Versicherungssumme. Bei der Privathaftpflicht sowie in der Kfz-Haftpflicht sind Provisionen in Höhe von drei bis elf Prozent des Jahresbeitrages üblich. Höchstgrenzen für die Abschlusskosten gibt es bei der PKV nicht. Hier muss die Branche endlich selbst etwas tun, dem Trend entgegensteuern, mehr Transparenz schaffen, möglicherweise auf Verbandsebene harmonisieren. Andernfalls könnten das Bundesaufsichtsamt oder die Politik sich veranlasst sehen, mehr zu tun, als es der PKV lieb wäre. Dr. rer. pol. Harald Clade
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