ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2005Barcelona und Palma: Konkurrenz belebt die Kunst

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Barcelona und Palma: Konkurrenz belebt die Kunst

Jachertz, Norbert

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Wie im Märchenfilm: Eingang zum Park Güell Fotos: Norbert Jachertz
Wie im Märchenfilm: Eingang zum Park Güell Fotos: Norbert Jachertz
Alternative für diejenigen, denen Mallorca lieb, aber Strandurlaub zu langweilig ist.

Die Billigflieger machen es möglich: hin nach Barcelona, der boomenden Millionenstadt; zurück ab Palma, das mehr ist als ein Flughafen für Pauschaltouristen; dazwischen eine kleine Seereise, die dem Reisenden das Gefühl gibt, wirklich unterwegs gewesen zu sein.
Wenn für Barcelona nur zwei oder drei Tage eingeplant werden können, ist es ratsam, Schwerpunkte zu setzen. Dazu drei Vorschläge:
Museumsberg
Allein auf dem Montjuic, einem wahren Museumsberg, lässt sich ein Tag verbringen. Der Montjuic steigt vom Meer auf und liegt am Rande der Innenstadt, er ist überzogen von ausgedehnten Parks mit Wasserspielen und mehreren Museen, darunter zwei ganz hervorragenden. Das Miró-Museum, gebaut Mitte der Siebzigerjahre von Josep Lluís Sert, der mit Joan Miró befreundet war, ist inzwischen so bekannt, dass die Besucher Schlange stehen, um eingelassen zu werden.
Neu eröffnet ist das Museu Nacional d’Art Catalunya mit Malerei und Plastik von der Romanik bis in die Moderne, ergänzt um eine Fotosammlung (www.mnac.es). Untergebracht ist dieses anspruchvolle Museum in einem der Gebäude der Weltausstellung von 1929, das einen „typisch spanischen“ Stil imitiert. Unvergleichlich ist die romanische Abteilung. Hier sind vor allem Fresken aus aufgelassenen Kirchlein der Pyrenäen zu bewundern. Sie wurden dort sorgfältig abgenommen und im Museum in künstlich geschaffenen Apsiden wieder aufgebracht. Der Betrachter wandert gleichsam von Kirche zu Kirche.
Draußen, etwas unterhalb dieses Museumskomplexes, steht ein Hauptwerk der modernen Architektur, der Pavillon von Ludwig Mies van der Rohe, ebenfalls gebaut für die Weltausstellung und doch ein harter Kontrast zu dem historisierenden Ausstellungspalast. Mies’ Meisterwerk wurde 1930 abgerissen und 1983 bis 1986 rekonstruiert.
Diese strenge Modern wird in der Innenstadt aufgenommen mit dem Museu d’Art Contemporani, dem Museum für Gegenwartskunst von Richard Meier, dem amerikanischen Architekten, der mit Vorliebe in strahlendem Weiß baute.
Zur Olympiade 1992 gestaltete die Stadt den alten verrottenden Hafen radikal um zu einem modernen Quartier. Ein Spaziergang über die Rambla führt nun von der Plaça de Catalunya im Zentrum hinaus zu Stränden und offenem Meer.
Markstein der Moderne: Mies-Pavillon zur Weltausstellung
Markstein der Moderne: Mies-Pavillon zur Weltausstellung
Doch Barcelonas Moderne beginnt schon weit früher und eigenwillig mit dem Modernismo, der um die Wende zum 20. Jahrhundert aufkam und eine einmalige Variante des Jugendstils ist. Sein bekanntester Vertreter ist Antoni Gaudí, sein berühmtestes Werk die Kirche Sagrada Familia. An der wird seit bald hundert Jahren gebaut, nicht immer mit Geschmack.
Gaudí ist in Barcelona vielfältig vertreten, so durch den Park Güell, seit 1984 Weltkulturerbe, ein am Berghang gelegenes Musterbeispiel „organischen“ Bauens, oder durch die beiden fantastischen Bauten Casa Batlo und Casa Mila am schicken Passeig de Gracia. Wer den Spuren des katalanischen Jugendstils folgt, sollte nicht den Konzertsaal der Stadt, den Palau de la Música Catalana von Lluís Domènech i Montaner, errichtet zwischen 1905 und 1908, versäumen mit seinem überquellenden Innenraum. Vom selben Architekten stammt das Hospital de Sant Pau mit 26 verspielten Pavillons. Der Modernismo verlegte sich auch auf alle Art von Gebrauchsgegenständen und wurde so mit zur Grundlage modernen Designs. Spuren davon sind in der königlichen Villa von Pedralbes zu entdecken, in der ein Design-Museum im Verborgenen blüht (www.museuartsdecoratives.bcn.es).
Barri Gotic
Ein anderer Schwerpunkt könnte das mittelalterliche Barcelona sein, das Barri Gotic, nahe der Rambla, mit engen Gassen, mit der (vorwiegend gotischen) Kathedrale, mit der Plaça Reial, einer geschlossenen mittelalterlichen Platzanlage, und mit dem städtischen Museum (www.
museuhistoria.bcn.es), in einem gotischen Palast mit römischen Versatzstücken. Die Altstadt gehört zum touristischen „Pflichtprogramm“ und lässt sich zu Fuß gut erkunden. Zum mittelalterlichen Barcelona gehört das etwas abseits gelegene Kloster von Pedralbes, bis in jüngere Zeit von Nonnen aus der besseren Gesellschaft bevölkert, heute ein Museum, unterhalten von der Stiftung Thyssen-Bornemisza, die hier einen Teil ihrer berühmten Sammlung alter Meister zeigt.
Palma: Kunst und Bankenwettstreit
Palmen und Beton: Es Baluard in Palma
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Mittelalter, Modernismo und Moderne trifft man in Palma wieder – auf engerem Raum, mit weniger, jedoch nicht minder schönen Beispielen. Auf fast jedem Mallorcaprospekt ist die über dem Meer aufragende Kathedrale zu sehen, weniger bekannt ist, dass Antoni Gaudí das Innere im Modernismo ausgestaltete. Die unterschiedlichen Stile harmonieren. In der Kirche Sant Francesc ist Ramón Llull begraben, der es vom Lebemann zum Eremiten und Allround-Wissenschaftler brachte und im 13. Jahrhundert die katalanische Schriftsprache begründete.
Vorzügliche Beispiele des Modernismo weisen zwei Plätze der Innenstadt auf, die Plaça del Mercat mit Bauten von Guillem Reynes und die Plaça Weyler mit dem ehemaligen Grandhotel, mustergültig von der Sparkasse restauriert, von Domènech i Montaner.
Im Ex-Grandhotel stellt die Fundacio La Caixa moderne Kunst aus. Die Bankenkonkurrenz La Nostra (darunter firmieren die Raiffeisenbanken) tut desgleichen in einem der alten Adelspaläste, und schließlich zeigt das allgegenwärtige Bankhaus March in einem Stadtpalast nahe der Kathedrale Picasso, Dalí,Gris und Miró. Der hatte auf Mallorca sein Atelier. Das ist gleichfalls zu besichtigen.
Die Stadt hat in die früheren Festungsanlagen erst kürzlich das Museum „Es Baluard“ gesetzt mit Bildern und Skulpturen von Picasso bis Yves Klein und mit einem weiten Blick über die Stadt und zum Meer.
Palma entpuppt sich so unverhofft als Platz der modernen Kunst. Die Mallorca-Kennerin (und bekannte „Museumsfrau“ aus Köln) Gisela Völger resümiert in ihrem Mallorca-Führer: „Die Kunst des 20. Jahrhunderts hat dank des ehrgeizigen Wettstreits verschiedener Banken . . . in den letzten 20 Jahren einen ungeheuren musealen Aufschwung erlebt.“ Norbert Jachertz

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