ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1997Öffentliche Kredite und Finanzierungshilfen: Auch für Ärzte interessant

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Öffentliche Kredite und Finanzierungshilfen: Auch für Ärzte interessant

Wendland, Holger

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LNSLNS Um die Finanzierungsprobleme, die mit dem Schritt in die Selbständigkeit oder mit Investitionen zur Erhaltung der selbständigen Existenz zusammenhängen, zu mildern, bietet die öffentliche Hand verschiedene Finanzierungshilfen an. Die Mehrzahl dieser Förderprogramme zielt zwar auf kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und die wirtschaftsnahen freien Berufe. Es gibt jedoch einige Programme, die auch von Ärzten in Anspruch genommen werden können.


Beim Aufbau einer selbständigen Existenz ist ein Mangel an Eigenkapital oft ein schwer zu überwindendes Gründungshemmnis. Das Eigenkapitalhilfeprogramm der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) bietet hier Hilfe zur Selbsthilfe. Gefördert werden Gründungsvorhaben, die eine tragfähige, selbständige Vollexistenz erwarten lassen. Mit Eigenkapitalhilfe lassen sich bis zu 40 Prozent der Investitionssumme finanzieren. Der Antragsteller muß jedoch eigene Mittel in angemessenem Umfang (mindestens 15 Prozent der Investitionssumme) einbringen.
Die Eigenkapitalhilfe wird zwar als Darlehen gewährt. Im Fall einer Insolvenz stellt die Deutsche Ausgleichsbank jedoch keinen Anspruch an die Masse. Die Fördermittel haften in diesem Fall unbeschränkt und erfüllen damit Eigenkapitalfunktion. Die Kreditlaufzeit beträgt in der Regel 20 Jahre, wobei die ersten zehn Jahre tilgungsfrei sind. Bei Unternehmensgründungen sind die ersten beiden Jahre zinslos, im dritten Jahr beträgt der Zinssatz zwei Prozent, im vierten Jahr drei Prozent und im fünften Jahr fünf Prozent. Vom sechsten bis zum zehnten Jahr gilt zur Zeit ein fester Zinssatz von 7,5 Prozent, danach erfolgt eine Anpassung an die dann gültigen Konditionen.
Das DtA-Existenzgründungsprogramm dient der Er-gänzungsfinanzierung durch zinsgünstige Darlehen. Der Antragsteller muß sich mit eigenen und sonstigen (öffentlichen) Mitteln an dem Investitionsvorhaben beteiligen. Gefördert werden Investitionen zur Gründung einer selbständigen Existenz (Erwerb oder Beteiligung) sowie Investitionen zur Existenzsicherung innerhalb der ersten acht Jahre nach Existenzgründung.
Bei zehnjähriger Laufzeit sind bis zu zwei Jahre tilgungsfrei, und es gilt ein fester Zinssatz von 5,5 Prozent in den alten und 5,25 Prozent in den neuen Bundesländern. Bei 20jähriger Laufzeit sind bis zu drei Jahre tilgungsfrei. Für die ersten zehn Jahre beträgt der Zinssatz sechs Prozent in den alten und 5,75 Prozent in den neuen Bundesländern; danach gelten Kapitalmarktkonditionen. Gefördert werden auch Betriebsmittelfinanzierungen (zum Beispiel die Investition in neue EDV-Anlagen). Hier gelten folgende Konditionen: sechs Jahre Laufzeit, davon ein tilgungsfreies Jahr, Zinssatz 6,5 Prozent in den alten und 6,25 Prozent in den neuen Bundesländern.
Das KfW-Mittelstandsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau dient der langfristigen Finanzierung von Investitionen zu einem günstigen Zinssatz, der für die gesamte Laufzeit fest ist. Die Kreditlaufzeit beträgt in der Regel bis zu zehn Jahren mit bis zu zwei tilgungsfreien Anlaufjahren. Der Zinssatz beläuft sich zur Zeit auf 5,75 Prozent in den alten und 5,5 Prozent in den neuen Bundesländern. Bei Erwerb von Grund und Boden und bei Bauvorhaben kann eine Kreditlaufzeit von bis zu 20 Jahren bei höchstens drei tilgungsfreien Anlaufjahren vereinbart werden (Zinssatz zur Zeit: 6,25 Prozent beziehungsweise sechs Prozent).
Informationsmaterial zu diesen Programmen senden die Deutsche Ausgleichsbank (Wielandstraße 4, 53170 Bonn, Telefon 02 28/ 8 31 24 00) beziehungsweise die Kreditanstalt für Wiederaufbau (Palmengartenstraße 5–
9, 60325 Frankfurt, Tel 0 69/74 31-0). Die Antragstellung und Kreditabwicklung erfolgen jedoch über die Hausbank.
Auch als Arzt sollte man vor einer Investitionsentscheidung stets prüfen, ob man statt eines regulären Investitionskredites der Hausbank nicht ein zinsgünstigeres öffentliches Darlehen in Anspruch nehmen könnte. Fragen Sie bei Ihrer Bank gezielt nach, denn leider informieren die Banken nicht immer von sich aus über diese Fördermittel, da sie wenig an der Vermittlung staatlicher Kredite verdienen.
Neben diesen überregionalen Förderprogrammen gibt es in einigen Bundesländern auch landeseigene Darlehensprogramme, Zuschüsse für die Inanspruchnahme professioneller Beratung zur Existenzgründung oder zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sowie in einigen der neuen Bundesländer Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds. Angehörige der Heilberufe werden jedoch in vielen Fällen von der Förderung ausgeschlossen. Genauere Auskünfte erteilen jeweils die Förderreferate der Wirtschaftsministerien oder Arbeits- und Sozialministerien.
Eine interessante Finanzierungshilfe sind auch die Einstellungsbeihilfen der Bundesanstalt für Arbeit. Für die Einstellung einer neuen Mitarbeiterin erhalten Ärzte unter gewissen Voraussetzungen Zuschüsse vom Arbeitsamt. Ausführlichere Informationen erteilen die örtlichen Arbeitsämter. Holger Wendland, Düsseldorf

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