ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2005Die verlorene Kunst des Heilens. Anstiftung zum Umdenken

BÜCHER

Die verlorene Kunst des Heilens. Anstiftung zum Umdenken

Dtsch Arztebl 2005; 102(44): A-3020

Lown, Bernard

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Ärztliches Handeln: Begegnung mit den Patienten
Bernard Lown: Die verlorene Kunst des Heilens. Anstiftung zum Umdenken. Mit einem Geleitwort von Ulrich Gottstein und einem Gespräch mit Bernard Lown auf CD. 2., erweiterte und illustrierte Auflage. Schattauer GmbH, Stuttgart, New York, 2004, XX, 308 Seiten, 20 Abbildungen, gebunden, mit Schutzumschlag, 34,95 €
Bei einem Vortrag in der Bezirksärztekammer Frankfurt beklagte Lown 2004 die unsägliche Bürokratisierung der US-Medizin zum Beispiel durch diagnosebezogene Fallpauschalen und Industrialisierung in der Gesundheitsversorgung. Dabei verliere die Medizin ihr menschliches Gesicht, die auf Vertrauen basierende Arzt-Patient-Beziehung verkümmere, der Patient werde nicht mehr ganzheitlich gesehen; die „Kunst des Heilens“ gehe verloren.
Wer das schreibt und in einem Interview auf der beiliegenden CD überdeutlich sagt, ist kein externer Medizinkritiker, realitätsfremder Idealist oder zorniger alter Kollege, sondern der amerikanische Kardiologe Bernard Lown, der allen Ärzten durch die nach ihm benannte Klassifikation der Herzrhythmusstörungen und das Lown-Ganong-Lewin-Syndrom bekannt sein dürfte. Lown (heute 84 Jahre) ist auch als politisch engagierter Arzt bekannt; er erhielt 1985 zusammen mit dem russischen Kardiologen Chazov stellvertretend für die IPPNW (International Physicians for the Preventing of Nuclear War) den Friedensnobelpreis.
Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel, wobei das erste zentral erscheint: Die jungen Kollegen lernten nicht mehr, dem Patienten zuzuhören, und beherrschten dadurch die Kunst der Diagnosestellung nicht. Lown erzählt empathisch und leidenschaftlich von seinen klinischen und wissenschaftlichen Erfahrungen als Arzt, wobei die Begegnung mit dem Patienten im Zentrum steht.
Auch wenn die Lektüre gelegentlich ein Schmunzeln wegen des mehr anekdotischen und nicht direkt wissenschaftlichen Stils hervorruft („. . . ich hatte einen Patienten, der . . .“), so war sie doch außergewöhnlich spannend und lehrreich. Daher mein Vorschlag: Erstens die Lektüre des Buches mit zehn Zertifizierungspunkten belohnen und zweitens jedem Medizinstudenten der Vorklinik das Buch schenken und am Ende des Studium nochmals diskutieren lassen, damit nicht verlorengeht, was ärztliches Handeln letztlich ausmacht. Matthias Elzer
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