ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1997Blutspender-Management: Von Eisenprophylaxe bis zur Versicherung

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Blutspender-Management: Von Eisenprophylaxe bis zur Versicherung

Vetter, Christine

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LNSLNS Chronischer Mangel an Blut wie auch an Blut-spendern herrscht in Deutschland, was schon in absehbarer Zeit Engpässe in einzelnen Bereichen provozieren wird. Um dieses Defizit zu beheben, müßte das "Blutspender-Management" verbessert werden, wie Transfusionsmediziner bei einer Pressekonferenz in Berlin betonten. Zu wenig wird nach ihrer Meinung dafür getan, daß das Blutspenden attraktiv wird. Außerdem ist die Bevölkerung über die gesundheitlichen Risiken, oder genauer deren Fehlen, nicht ausreichend informiert, betonte Prof. Peter Hellstern (Ludwigshafen).
So herrsche immer noch die völlig unbegründete Angst vor, man könne sich bei der Blut- und Plasmaspende selbst mit HIV oder Hepatitis infizieren, die Blut- und Plasmaspende gehe mit einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens, der Leistungsfähigkeit oder gar der Gesundheit einher, oder es würden mit dem Blut "dicke Geschäfte" gemacht, was nach Hellstern ebenfalls nicht stimmt. "Auch eine allgemein nachlassende Hilfsbereitschaft verschärft den Blutspendemangel", so Hellstern in Berlin.
Neben einer stärkeren Motivation der Bevölkerung könnte auch eine höhere Frequenz bei Stammspendern dazu beitragen, den Spendermangel zu lindern. Voraussetzung aber wäre eine regelmäßige Eisensubstitution, da mit jeder Blutspende etwa 250 mg Eisen verlorengehen. Rechnet man dies auf den täglichen Bedarf um, so kommt es nach Dr. Dr. Peter Nielsen (Hamburg) bei regelmäßigem Blutspenden mindestens zu einer Verdoppelung des normalen Eisenbedarfs. Die Transfusionsmediziner plädieren deshalb unbedingt für eine Eisenprophylaxe. Empfohlen wird die Einnahme von jeweils 100 mg täglich an 20 bis 25 Tagen nach dem "Aderlaß".
Denn es ist laut Nielsen erwiesen, daß eine konsequente Substitution mit einem geeigneten Eisenpräparat auch auf Dauer zur Kompensation des Eisenverlustes bei der Blutspende und zum Wiederanstieg der Eisenreserven führt. "Sinnvoll wäre es deshalb, die Blutspende mit der automatischen Ausgabe von 20 bis 25 Kapseln eines gut verträglichen Eisenpräparates zu koppeln", so der Mediziner.


Eisenprophylaxe
An der Berliner Charité wird derzeit unter Leitung von Prof. Holger Kiesewetter geprüft, ob ein solches Vorgehen dazu beitragen kann, die Spendefrequenz zu erhöhen. Erwartet wird, daß bei konsequenter Eisenprophylaxe bis zu zwölfmal jährlich Blut gespendet werden kann, ohne daß Gesundheitsgefahren drohen. Dann würde ein kleiner Spenderstamm ausreichen, um die gleiche Menge Blut zu erhalten und den Eigenbedarf zu decken, so Kiesewetter. Gleichzeitig würde ein Beitrag zur weiteren Erhöhung der Sicherheit von Blut und Blutprodukten geleistet, da die Spender gut untersucht und bekannt seien.
Wichtig sind zudem geeignete Räumlichkeiten mit freundlichem Ambiente und spendergerechten Öffnungszeiten. In Berlin wurde außerdem ein "Spenderverein für Dauerspender" eingerichtet, wobei zusätzliche Leistungen, in erster Linie zusätzliche ärztliche Untersuchungen, aber auch eine ZusatzWegeversicherung und eine Kapital-Lebensversicherung, geboten werden. Außerdem erhalten die Mitglieder eine intensive Gesundheitsberatung, und es winkt die Erstellung eines Gesundheitszeugnisses.
Zur Unterstützung der staatlich-kommunalen Blutspendedienste hat sich auch die Sanol GmbH/Schwarz Pharma entschieden, dies mit einem Konzept, das sich speziell an niedergelassene Ärzte wendet: Plakate in den Wartezimmern der niedergelassenen Ärzte sollen über die örtlichen Möglichkeiten des Blutspendens informieren. Christine Vetter

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