ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2005Internet-Recherche zu affektiven Störungen: Umfassende Informationen

WISSENSCHAFT

Internet-Recherche zu affektiven Störungen: Umfassende Informationen

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LNSLNS Überblick über ausgewählte Web-Seiten zu Depressionen und bipolaren Störungen.

Affektive Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Im Bundesgesundheitssurvey 1998/99 wurde für die deutsche Erwachsenenbevölkerung eine Zwölfmonatsprävalenz von 11,9 Prozent ermittelt. Depressive Erkrankungen sind dabei viel weiter verbreitet (Major Depression: 8,3 Prozent, Dysthymie: 4,5 Prozent) als die Gruppe der bipolaren Störungen (0,8 Prozent) (Jacobi, Klose & Wittchen, 2004) – dies spiegelt sich auch in der Verfügbarkeit von Internetinformationen wider.
Fachkreise können ihre Web-Recherche bei Internet Mental Health (www.mentalhealth.com/dis/p20md01. html) beginnen. Es wird ausführlich über Symptomatik, Diagnostik und Therapie von Major Depression, Dysthymie, Zyklothymie und anderen bipolaren Störungen informiert. Aufgeführt werden Forschungsergebnisse, Fachzeitschriften sowie weiterführende Literatur und Internetverweise. Einen guten Einblick liefert auch die von dem New Yorker Psychiater Ivan Goldberg verwaltete Seite „Depression Central“ (www.psycom.net/de pression.central.html). Einen fundierten Überblick in deutscher Sprache, der sich sowohl an psychotherapeutisch Tätige, Studierende und allgemein Interessierte richtet, bietet eine Homepage der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, die im Rahmen einer Dissertation entstand (www.depression.uni zh.ch). Unter einzelnen Menüpunkten werden unter anderem die Verbindung von Depression und Alter, Geschlecht, Bewegungsapparat, Kognition, Schmerz oder Sucht und Drogen erläutert.
Verschiedene wissenschaftliche Institute haben sich auf Depressionsforschung spezialisiert. Die Effektivität kognitiv-verhaltenstherapeutischer Interventionsprogramme untersucht beispielsweise das Psychologische Institut der Universität Tübingen mit laufenden Studien unter anderem zur Behandlung depressiver Erkrankungen im Alter (www.uni-tuebingen.de/uni/sii/abtkpps/hautzing.htm). Das Sigmund-Freud-Institut (SFI), Forschungsinstitut für Psychoanalyse und ihre Anwendung, klärt über ihre Frankfurter Depressionsstudie auf (www.sfi-frankfurt.de). Patienten mit chronifizierten Depressionen können in diesem Rahmen an mit dem SFI kooperierende Psychotherapeuten überwiesen werden. Über Aspekte der neurobiologischen Forschung im Bereich der affektiven und psychotischen Störungen macht die Abteilung Klinische Psychiatrie der Universität Zürich (www.dcp.unizh.ch) aufmerksam.
www.depression-primarycare.org
www.depression-primarycare.org
Die MacArthur Initiative on Depression and primary care (www.depression-primarycare.org) hat das Ziel, Kliniker der Grundversorgung zu schulen im Hinblick auf Erkennung und Umgang mit der Depression. Auf den Seiten können Praktiker nach einer Registrierung ein so genanntes Tool Kid als pdf-Datei herunterladen. Es enthält leicht bedienbare Instrumente und Informationen, die bei der Diagnostik von Depressionen, der Patientenedukation und der Benutzung von evidenzbasierten Leitlinien helfen können. Abstracts von zahlreichen Publikationen ergänzen das Angebot. Zur weiteren Diagnostik können die von verschiedenen Fachgesellschaften entwickelten und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften online gestellten Leitlinien „Psychotherapie der Depression“, „Affektive Erkrankungen“ und für affektive Störungen im Kindes- und Jugendalter die Leitlinien „Anhaltende Affektive Störungen“ (www.leitlinien.net) herangezogen werden.
Weitere Hinweise für Experten finden sich beim Kompetenznetz Depression (www.kompetenznetz-depression.de), gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Einschlägige Fachzeitschriften zu affektiven Störungen bieten im Internet Serviceleistungen, wie die Einsicht von Inhaltsverzeichnissen und Abstracts, an, zum Beispiel die Zeitschriften Depression & Anxiety (journals.wiley.com/1091–4269), Bipolar Disorders (www.blackwellpublishing.com => Journals) und das Journal of Affective Disorders (authors.elsevier.com).
Online-Hilfe für Betroffene
Der Facharzt Karl C. Mayer leistet auf insgesamt 16 Seiten eine durch Grafiken und Tabellen unterstützte Aufklärung für an Depression Erkrankte (www.neuro24.de/depression.htm). Medizinfo (www.medizinfo.de/kopfundsee le/depression/depression.htm) bereitet Themen wie „Früherkennung und Tipps für Angehörige“, „Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie“ und „Verhaltenstherapie“ sowie die „Medikamentöse Therapie bei Depressionen“ laiengerecht auf. In seiner Internetpräsenz gestattet Dipl.-Psych. Volker Drewes nicht nur eine Wissensaneignung über Symptomatik, entwicklungsgeschichtlichen Hintergrund und Verarbeitungsweisen des depressiven Grundkonflikts. Er bietet darüber hinaus eine OnlineBeratung an, die per E-Mail, im Chatroom oder in einer Video-Konferenz abgehalten werden kann (www.bera tung-therapie.de/krankheitsbilder/de pression/depression.html).
Unter (www.depression.ch) findet sich ein Angebot für Betroffene und ihre Angehörigen. Neben reichhaltigen Informationen ermöglicht eine validierte Online-Selbstbeurteilungsskala, erste Hinweise zu erhalten, ob eine behandlungsbedürftige depressive Erkrankung vorliegt. Erwähnenswert ist die Auseinandersetzung mit speziellen Formen, wie der Depression im Alter, bei Männern, Kindern und Jugendlichen, saisonal abhängige oder postnatale Depression. Ein Forum mit derzeit circa 3 000 Postings lädt zum Austausch ein. Zudem steht die Patientenbroschüre „Depression Erkennen – Heilen“ in 17 Sprachen zum Download bereit.
Die Homepageprojekte von Horst (www.horstvoll.de) und Katrin (www.schwarze-rose.de) stellen eindrucksvoll die engagierte Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung dar.
Bipolare Störungen
Als erste Anlaufstelle für Professionelle dient das Massachusetts General Hospital mit seinem Bipolar Clinic & Research Program (www.manicdepressive.org). Angestrebte Ziele sind die Verbesserung der klinischen Versorgung, die Durchführung von empirischer Forschung und die Schulung von Fachpersonal. Neben verschiedenen Arbeitsmitteln für klinisch Tätige findet sich die Präsentation von Forschungsthemen wie „Galantamine-CR and Cognitive Dysfunction in Bipolar Disorder“, „Children At Risk for Bipolar Disorder“ und „Systematic Treatment Enhancement Program for Bipolar Disorder“. Ebenso empfehlenswert sind die WWW-Informationen des National Institute of Mental Health (NIMH) (www.nimh.nih. gov). Unter der Rubrik „Clinical Trails“ findet sich eine Übersicht aktueller Forschungsprojekte, unter „Health Informa-
tion“ Hinweise auf insbesondere medikamentöse Behandlungsmethoden. Über die Effektivität von Lithium bei affektiven Erkrankungen informiert die International Group for the Study of Lithium Treated Patients (IGSLI) (www.igsli.org) in einer umfassenden Bibliographie.
Mit dem Einsatz neuer elektronischer Techniken speziell auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie bipolarer Störungen beschäftigt sich die
Arbeitsgruppe Neue Medien der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. (DGBS). Das Forschungsprojekt Palm LifeChart (PLC) (www.lifechart.de) soll helfen, den Verlauf einer bipolaren Störung kontinuierlich und langfristig elektronisch zu dokumentieren.
www.lifechart.de
www.lifechart.de
Auf der Homepage findet man im Bereich „Klinik“ Informationen über das Projekt, den Online-Bereich für Teilnehmende, technischen Support und Voraussetzungen sowie Modalitäten einer Teilnahme. Unter „Forschung“ werden theoretische Hintergründe sowie erste Ergebnisse des Projekts beschrieben. Zudem können sowohl das Manual als auch die Online-Version des PLC heruntergeladen werden.
Die DGBS (www.dgbs.de) betreibt eine eigene Website mit Hinweisen zur Bedeutung bipolarer Erkrankungen, Diagnose, Therapie, Psychoedukation, Kinderwunsch/Schwangerschaft und Suizidalität. Ebenso bietet die Gesellschaft ein Selbsthilfeforum (www.ma nic-depressive.de) an und gestattet so einen Austausch für bipolar Erfahrene und deren Angehörige.
Die Zeitschrift „Der Neurologe und Psychiater“ widmet sich in einem Sonderheft (1/2005) der Therapie bipolarer Störungen (www.derneurologe-psychia ter.de => Archiv). Im Rahmen der Con-
tinuing Medical Education sind eine Reihe von Artikeln im Volltext einsehbar, und vier Fortbildungspunkte können durch richtiges Beantworten eines Fragebogens zum Thema online erworben werden.
Einen Experten-Leitfaden zur Behandlung von Bipolaren Störungen findet man unter (www.psychguides.com/ecgs15.php). Betroffene können sich
bei dem Gesundheitsportal netdoktor (www.netdoktor.de/krankheiten/fakta/manisch_depressive.htm) oder mittels der Patientenbroschüre „Manie – Was ist das?“ (www.provincia.bz.it/sanita/2302/salute_mentale/index_d.htm) mit ihrem Störungsbild auseinander setzen. c.l.i.n.c.h. (www.manischdepressiv.de) sieht sich als Treffpunkt für Betroffene. Materialien im Zusammenhang mit der Erkrankung und dem Einfluss auf Wahrnehmung und Erkenntnisfähigkeit werden bereitgestellt und das Zusammenspiel von Vererbung und Umwelteinflüssen sowie Krankheitsverständnis und das Problem der Stigmatisierung behandelt. In der Rubrik Stories sind persönliche Erfahrungen dokumentiert.
Depressive Episoden und bipolare Störungen stellen einen Risikofaktor für Suizidalität dar. Online-Ressourcen zur Suizidprophylaxe finden sich auf den WWW-Seiten von Dr. Wolfram Dormann (www.krisen-intervention.de) sowie bei Eichenberg (2002) und Eichenberg und Pennauer (2003).

Literatur
1. Eichenberg C: Internet-Recherche: Suizidprophylaxe. Dtsch Arztebl 2002; 99 [Heft 23]: Suppl: PraxisComputer 3/2002.
2. Eichenberg C, Pennauer J: Krisenintervention im und via Internet: Angebote und Möglichkeiten. Psychotherapie im Dialog 2003, 4, 411–415.
3. Jacobi F, Klose M, Wittchen HU: Psychische Störungen in der deutschen Allgemeinbevölkerung: Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und Ausfalltage. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2004, 8, 736–744.

Dipl.-Psych. Christiane Eichenberg, Kareen Portz, Institut für Klinische Psychologie & Psychotherapie, Uni-versität zu Köln, Höninger Weg 115, 50969 Köln, E-Mail: eichenberg@uni-koeln.de, Internet: www.christianeeichen berg.de
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