VARIA: Post scriptum

Kopf hoch, König!

Dtsch Arztebl 2005; 102(47): [72]

Pfleger, Helmut

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Es gibt keinen besseren Ausweg von den Übeln des Lebens als eine Partie Schach“ (Francis Bacon). Das klingt sehr schön, und mit Vergnügen gebe ich dieses Zitat des englischen Philosophen und Staatsmanns des 16. Jahrhunderts wieder, zumal es mich an den Bundespräsidenten a. D. Richard von Weizsäcker erinnert, der gerne am Abend noch Schach spielt, um „nach dem oft unruhigen Tagesgeschehen ein Zwischenfeld einzulegen“ und so ruhig schlafen zu können. Dennoch bin ich mir nicht sicher, ob jedermann zu jeder Stunde beim letzten Deutschen Ärzteturnier Francis Bacon zugestimmt hätte, schließlich kann das Schach auch rechte Wunden schlagen.
So berichtet der Kulturhistoriker Emil Fuchs davon, wie er in jungen Jahren in einem Schachklub Zeuge eines absonderlichen Rituals wurde. Ein älterer Herr hatte dort die Gewohnheit, nach jeder verlorenen Partie wütend seinem Schachkönig den Kopf abzubeißen. Dem Klub drohte ein zunehmender Verlust des Spielmaterials – nichts ist weniger ersetzbar als ein König. Schließlich fand man, ohne den Sonderling zu verprellen, einen Ausweg aus dem Dilemma, indem man die Köpfe wieder am Sockel anklebte und ihm just diese Figuren vorsetzte. Und reichten die Reaktionen anfangs von Erstaunen bis zu Entsetzen, so sahen mit der Zeit immer mehr diesen Enthauptungen wie einem liebgewonnenen Schauspiel entgegen.
Ausnahmsweise will ich mich einmal aller tiefenpsychologischen Überlegungen zum Ödipuskomplex enthalten und nicht auf die symbolische Gleichsetzung von König und Vater (wie auch im Märchen) eingehen. Das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden. Sehr wohl aber sei festgehalten, dass auch Ärzte keine Buddhas sind, die allen Wechselfällen des Lebens und Schachs mit unerschütterlichem Gleichmut begegnen.
Nun kann Prof. Dr. med. Peter Krauseneck wahrlich nicht über häufige Niederlagen klagen, des Öfteren bessert er sein karges Chefarztgehalt mit den Geldpreisen der APO-Bank (für die ersten fünf) auf, doch gegen Dr. med. Thorsten Heedt hatte er diesmal das Nachsehen.
Sehen Sie, wie Dr. Heedt als Weißer am Zug eine schöne Gewinnkombination fand?

Lösung:
Nach 1. Df7+! wäre 1. . . . Dxf7 2. exf7+ Kf8 3. fxe8D+ Kxe8 wegen des Turmverlusts natürlich hoffnungslos gewesen. Prof. Krauseneck entschloss sich deshalb
zu 1. . . . Kh7, was allerdings sei-
nem König nach 2. Dxg6+ Kxg6 3. Le4+ Kh5 4. Sf4 matt gar nicht gut bekam. Ich versichere Ihnen jedoch, der Kopf des Königs blieb dran.
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