ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2005Private Kran­ken­ver­siche­rung: Weniger Zuspruch

Versicherungen

Private Kran­ken­ver­siche­rung: Weniger Zuspruch

Dtsch Arztebl 2005; 102(48): [70]

Clade, Harald

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LNSLNS Die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) registriert seit 2003 einen kontinuierlichen Rückgang beim Nettozugang in der Sparte Krankheitskostenversicherung (Vollversicherung). Dieser Trend setzte sich auch im ersten Halbjahr 2005 fort; 39 200 Personen wechselten (netto) zur Privatassekuranz – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein noch etwa halb so hoher Zuwachs. Insgesamt waren am Ende des vergangenen Jahres 8,259 Millionen Personen und am 30. Juni 2005 8,299 Millionen Personen privat krankenvollversichert. Dies geht aus dem endgültigen Geschäftsergebnis für 2004 und den vorläufigen Ergebnissen für die ersten beiden Quartale des laufenden Jahres hervor. Der PKV-Verband führt den außerordentlichen Rückgang bei den Nettoneuzugängen auf die zum 1. Januar 2003 erfolgte außerordentliche Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze zurück, die jetzt bei 3 900 Euro Bruttomonatsverdienst liegt. Die Beitragsbemessungsgrenze hingegen beträgt 3 525 Euro Bruttomonatslohn. Mit der Gesundheitsreform von 2003 wurde die Versicherungspflichtgrenze, die seit 1971 mit der Beitragsbemessungsgrenze identisch ist und jährlich dynamisiert wird, 25 Prozent höher als die Beitragsbemessungsgrenze gesetzt.
Dagegen erzielte die Privatassekuranz seit In-Kraft-Treten des GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) am 1. Januar 2004 einen Boom beim Abschluss von privaten Zusatzversicherungen. Ende 2004 gab es 16,141 Millionen Zusatzversicherungen, zur Jahresmitte 2005 17,1 Millionen Policen. Darin sind allerdings Doppelzählungen enthalten, weil Versicherte ihre Verträge bei verschiedenen Unternehmen oder in einer Gruppenversicherung abgeschlossen haben. Die Branche profitiert von Änderungen im Recht der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (SGB V): Die Krankenkassen zahlen beim Zahnersatz nur noch Festzuschüsse. Andererseits ist den Krankenkassen seit Beginn des Jahres 2004 erlaubt, sich bei der Vermittlung von Zusatzversicherungspolicen zugunsten privater Kran­ken­ver­siche­rungsgesellschaften einzuschalten.
Eine Zusatzversicherung für die Wahlleistungen Ein-/Zwei-bettzimmer und Chefarztbehandlung hatten 4,804 Millionen Personen abgeschlossen, was einem Zugang von 89 300 Personen (plus 1,89 Prozent) entspricht. Der Bestand in der Kankenhaustagegeldversicherung stieg um rund 41 800 Personen (plus 0,47 Prozent) auf 8,949 Millionen Personen und in der Pflegezusatzversicherung um 37 500 Personen (plus fünf Prozent) auf 787 100 Personen.
Die Beitragseinnahmen in der privaten Kranken- und Pflegepflichtversicherung stiegen um 6,76 Prozent auf 26,413 Milliarden Euro (absolut: 1,672 Milliarden Euro). Auf die Kran­ken­ver­siche­rung allein entfielen 24,542 Milliarden Euro (plus 1,649 Milliarden Euro beziehungsweise 7,2 Prozent). Davon kamen mehr als die Hälfte auf Prämienerhöhungen. Gleichzeitig kletterten die Leistungsausgaben um 4,7 Prozent auf 16,553 Milliarden Euro, in der Kran­ken­ver­siche­rung allein um 4,79 Prozent auf 16,025 Milliarden Euro. Die Kosten für die ambulante privatärztliche Behandlung und Heilmittel stiegen deutlich stärker als die für die Krankenhausbehandlung (4,7 beziehungsweise 2,1 Prozent). Harald Clade
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