Supplement: Reisemagazin

Norwegen: Zum Mann im Wolfspelz

Dtsch Arztebl 2005; 102(48): [10]

Unverzagt, Gesine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Nur zweieinhalb Stunden nördlich von Oslo befindet sich die größte Skianlage Norwegens. Obwohl von der Höhe her nicht mit den Alpen vergleichbar, sind Winterferien in Trysil so, wie man sie sich erträumt, viel Schnee bis in den April hinein. Ein einsamer Berg, der Trysilfjell, ragt aus einer hügeligen Landschaft hervor. Von drei Seiten durchschneiden Pisten und Lifte die Wälder, die den Berg umschließen, in einem Netz von 65 Kilometern mit 62 Abfahrten von sanften Pisten bis zu schwarzen Buckelpisten für Könner. Trysil liegt in der Region Telemark, die als Wiege des Skisports gilt. Hier wurde nicht nur der eigenwillige Telemarkschwung erfunden, sondern auch das Schanzenspringen.
„Schneesicher! Wir öffnen als Erste! Wir schließen als Letzte!“ So wirbt die Region. Es ist jedoch nicht nur die Schneesicherheit, die Besucher anlockt, sondern, wie überall in Norwegen, die Kinderfreundlichkeit. Kinder bis zu sieben Jahren fahren gratis, Bedingung ist jedoch das Tragen eines Schutzhelms. Die Kleinsten werden zum Teil kostenfrei in einem Skikindergarten betreut. Am Skicenter Høyfjellssenteret befindet sich der Kinder- und Aktivitätstreffpunkt Gammelgård, wo sich die lokalen Kindermaskottchen „Smotten“ um die Kleinen kümmern. Die tapsigen Trollfiguren, von den Kindern geliebt, präsentieren das Angebot vom Mini-Snowboardland über den Zauberteppich bis hin zur Märchenstunde bei der Berghexe Isiz.
Husky-Fahrt
Husky-Fahrt mit Tor Arne Myrheim
Husky-Fahrt mit Tor Arne Myrheim
Ein besonderes Erlebnis ist eine Husky-Fahrt mit Tor Arne Myrheim. Der ehemalige Journalist wechselte den Schreibtisch gegen Zelte und Hundehütten. Als es ans Anspannen der Hunde geht, warnt Tor Arne: „Bindet den Schlitten am Baum gut fest, bevor ihr die Hunde vorspannt, sonst hauen sie mitsamt Schlitten ab.“ Kaum sind die Hunde aus dem Auto, beginnen sie wie wild zu bellen. Ungeduldig ertragen sie das Anschnallen vor die Schlitten, sie wollen los, denn Laufen ist ihr Leben. Dann ist es so weit: Nora setzt sich in den Schlitten, bedeckt mit Fellen gegen die Kälte. Jacob steht dahinter auf den Kufen und steuert, indem er sein Gewicht verlagert. Das Bellen und Heulen hört auf, die Hunde rennen los. Jacob muss aufpassen, denn Wurzeln, Engpässe und andere Hindernisse werden ignoriert. Manchmal wird es knapp, dann muss gebremst werden, was die Hunde nur kurz akzeptieren, sofort rennen sie weiter. Vor jedem Schlitten sind vier Hunde gespannt, sehr unterschiedlich in ihrem Rennverhalten. Soraya und Rudolf sind die Tempomacher, sie sind besonders ungestüm und nur schwer zu bremsen. Es sind fünf Schlitten, die durch die Schneelandschaft hintereinander hergleiten. Alle folgen dem Leithund Günther, der ruhig und souverän die hechelnden Hunde anführt. Der Tagesausflug ist ein großes Abenteuer, denn das Ziel ist eine Hütte auf der anderen Seite eines riesigen gefrorenen Sees. Die Fahrt geht vorbei an knorrigen Bäumen, deren gefrorene Äste sich wie Scherenschnitte gegen den stahlblauen Himmel abheben. Es ist ein überwältigendes Gefühl, auf dem See lautlos zu gleiten, kein Baum, kein Strauch ist mehr zu sehen, nur eine weite weiße, stille Landschaft. Das Hecheln der Hunde ist das einzige vernehmbare Geräusch. Die Antarktis kann kaum schöner sein.
Schlemmen bei Kerzenschein
Wer es gemütlicher liebt, wende sich an Hans. Der Mann, von Kopf bis Fuß in einen Wolfspelz gehüllt, holt die Gäste mit Per, dem Pferd, zu einer Fahrt mit dem Pferdeschlitten ab. In Decken gehüllt, geht die Fahrt durch die prächtige Schneelandschaft zum Fageråsen. Nach einem aufregenden Tag lädt die Knettsetra-Hütte dienstags und freitags zum Fondue-Essen ein. Mit dem letzten Lift geht es hoch hinauf zu dem historischen Hof von 1790. Bei Kerzenschein wird geschlemmt, bevor es mit Fackeln auf Skiern wieder bergab zu den Hütten geht, die meistens direkt von den Pisten erreichbar sind. „Ski-in – Ski-out“ ist das Motto von Trysil. Man stellt sich morgens vor der Haustür auf die Skier und schnallt sie abends dort erst wieder ab.
Beliebt ist die „Early-Morning-Skifahrt“. Um sieben Uhr lassen sich die ersten Skifahrer mit dem Sindretekketlift den Berg ins gewalzte Skigebiet hinaufziehen. Dann geht es auf frischer Piste, ohne auf andere Skifahrer achten zu müssen, im Licht der aufgehenden Sonne hinab ins Tal, wo im Café „Kringla“ das Frühstück mit duftendem Kaffee wartet. Gesine Unverzagt

Reise-Tipps
Auskunft: Norwegisches Fremdenverkehrsamt, Postfach 11 33 17, 20433 Hamburg, Telefon: 0 18 05-00 15 48, Fax: 0 40/22 71 08 15, Internet: www.norwegeninfo.com oder www.visitnorway.com.
In Trysil: Trysilfjellet BA, Turistsenteret, N-O2420 Trysil, Telefon: +47-6 24 52 00 00, Internet: www.trysil.com.
Anreise: Bis Oslo am schnellsten mit dem Flugzeug. Vom Flughafen aus fährt ein Bus siebenmal täglich nach Trysil. Ein eigenes Auto ist in Trysil nicht erforderlich. Wer jedoch die lange Autoanfahrt angenehm gestalten will, wählt ab Kiel die Nachtfähre der Colorline, die vormittags in Oslo anlegt.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige