ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2005Trauerarbeit: Professionelle Begleitung hilft nicht

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Trauerarbeit: Professionelle Begleitung hilft nicht

PP 4, Ausgabe Dezember 2005, Seite 558

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LNSLNS Trauernde brauchen keine professionelle Trauerbegleitung, zumindest solange der Trauerprozess normal verläuft. Zu diesem Ergebnis kommt ein Wissenschaftlerteam der Universitäten Tübingen und Utrecht, das zahlreiche Studien zum Thema „Trauerarbeit“ gesichtet hat. Normal Trauernde durchleiden durch den Verlust eines nahen Angehörigen Gefühle des Verlassenseins, der Einsamkeit und Isolation. Trost und Mitleid durch Familienangehörige und Freunde helfen ihnen jedoch ebenso wenig dabei, den Trauerprozess zu mildern oder schneller abzuschließen, wie eine Beratung durch professionelle
Trauerbegleiter. Auch von anderen psychotherapeutischen Interventionen, wie etwa Gesprächen, Trauerbekundungen, Sinngebung und Umdeutung des Verlustes, profitieren normal Trauernde wenig. Die Forscher vermuten, dass der Tod eines Angehörigen, der sich schon länger abzeichnete, von den Trauernden erwartet wurde und sie sich darauf einstellen konnten. Das hilft ihnen offenbar dabei, selbst mit dem Verlust fertig zu werden. Im Gegensatz dazu benötigen Trauernde, die einen Angehörigen durch einen überraschenden oder gewaltsamen Tod verloren haben, häufiger Unterstützung. „Auch Trauernde, deren Trauerprozess pathologische Formen annimmt, brauchen eher professionelle Trauerbegleitung“, so die Wissenschaftler. Sie empfehlen allen, die mit Trauernden zu tun haben, sich vor allem auf diejenigen zu konzentrieren, die mit ihrer Trauer nicht umgehen können und daran zu zerbrechen drohen. ms

Stroebe W, Schut H, Stroebe M: Grief work, disclosure and counseling: Do they help the bereaved? Clinical Psychology Review 2005; 25: 395–414.

Prof. Dr. Wolfgang Stroebe, Department of Social and
Organizational Psychology, Utrecht University, P.O. Box 80.140, 3508 TC Utrecht (NL), E-Mail: W.Stroebe@ fss.uu.nl
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