ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2005Schizophrenie: Mangelernährung in der Schwangerschaft als Risikofaktor?

MEDIZIN: Referiert

Schizophrenie: Mangelernährung in der Schwangerschaft als Risikofaktor?

Dtsch Arztebl 2005; 102(51-52): A-3593 / B-3045 / C-2548

shm

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
Erste Hinweise darauf, dass eine Mangelernährung in der Schwangerschaft einen Risikofaktor für das Auftreten schizophrener Störungen darstellt, ergab eine Untersuchung zum Erkrankungsrisiko von Individuen, deren Mütter im so genannten Holländischen Hunger-Winter 1944–1945 schwanger waren. Diese Befunde wurden nun bestätigt: Die Autoren verglichen das Risiko für eine schizophrene Störung bei Individuen, deren Mütter vor, während und nach 1959–1961 in der Region Wuhu (China) schwanger waren. In diesem Zeitraum herrschte eine extreme Hungersnot in China, Wuhu war besonders stark betroffen. Im einzigen Psychiatrischen Krankenhaus Wuhus wurde das Patientenregister zwischen den Jahren 1971 und 2004 ausgewertet. Verglichen mit einem Risiko von 0,93 Prozent für schizophrene Störungen der zwischen 1956–1958 und 1963–1965 Geborenen war das Erkrankungsrisiko in den Jahrgängen 1960 mit 2,15 Prozent und 1961 mit 1,81 Prozent signifikant höher. Im Vergleich zu den Referenzjahrgängen betrug das relative Risiko für das Auftreten einer schizophrenen Störung 2,30 für den Jahrgang 1960 und 1,93 für den Jahrgang 1961. Die erhobenen Risikoziffern entsprechen denen der holländischen Studie, auch hier ergab sich ein verdoppeltes Schizophrenierisiko für Individuen, deren Mütter während der Hungersnot schwanger waren. Die Forscher vermuten, dass der Nahrungsmangel die frühe ZNS-Entwicklung beeinflusst und hierin ein Risikofaktor für Schizophrenie liegt. Dass Hirnentwicklungsstörungen eine Bedeutung bei der Entstehung schizophrener Störungen zukommt, wird schon seit längerem vermutet. shm

Referenz: St Clair D, Xu M, Wang P et al.: Rates of adult
schizophrenia following prenatal exposure to the Chinese famine of 1959–1961. JAMA 2005; 294: 557–62.

David St Clair, Department of Mental Health, University
of Aberdeen, Foresterhill, Aberdeen, Schottland, E-Mail: d.stclair@abdn.ac.uk

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige