ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2006Passivrauchen: Mehr als 3 000 Opfer jährlich

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Passivrauchen: Mehr als 3 000 Opfer jährlich

Bühring, Petra

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Mehr als eine Belästigung: Passivrauch ist mitursächlich für die Entwicklung chronischer Krankheiten. Foto: argus
Mehr als eine Belästigung: Passivrauch ist mitursächlich für die Entwicklung chronischer Krankheiten. Foto: argus
Neue Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums
Tabakrauch in Innenräumen ist keine Belästigung, sondern eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolgen. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg in seiner neuesten Studie, die als Publikation erschienen ist. Passivrauch enthält giftige Substanzen wie Blausäure, Ammoniak und Kohlenmonoxid, aber auch krebserregende Stoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, N-Nitrosamine, aromatische Amine, Benzol, Vinylchlorid, Arsen, Cadmium, Chrom und das radioaktive Isotop Polonium 210. „Für die Krebs erregenden Substanzen können keine Do-
sis-Schwellenwerte festgestellt werden, unterhalb derer keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten wäre“, erklärte die Herausgeberin der Publikation, Dr. Martina Pötschke-Langer. Auch kleinste Belastungen könnten zur Entwicklung von Tumoren beitragen.
Das Ausmaß der Tabakrauchbelastung in Deutschland ist hoch: Mehr als 170 000 Neugeborene werden jährlich bereits im Mutterleib den Schadstoffen ausgesetzt, schätzungsweise mehr als acht Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher. Bei den Erwachsenen werden mehr als 35 Millionen Nichtraucher zu Hause, am Arbeitsplatz oder in ihrer Freizeit mit den Schadstoffen des Passivrauchs belastet.
Passivrauch ist mitursächlich für die Entwicklung chronischer Krankheiten mit Todesfolge. So berechneten die Koautoren der Studie, die Epidemiologen Prof. Dr. Ulrich Keil, Münster, und Prof. Dr. Heiko Becher erstmals die jährlichen Passivrauchopfer: Jährlich sterben danach rund 2 140 Nichtraucher an koronarer Herzkrankheit, 770 an Schlaganfall, 50 an chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen und 260 Nichtraucher an Lungenkrebs. Etwa 60 Säuglinge sterben jährlich durch Rauchbelästigung im Haushalt sowie durch das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft.
Pötschke-Langer hält es daher für „dringend geboten“, ein Bundesgesetz zum umfassenden Nichtraucherschutz in öffentlichen Räumen zu erlassen, das auch die Gastronomie einschließt. Auch eine Informationskampagne zu den Gefahren des Passivrauchens könnte dazu beitragen, die Zahl der Opfer zu verringern.
Die Publikation „Passivrauchen – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko“ ist als PDF-Datei erhältlich unter www.tabakkontrolle.de. Sie kann auch beim Deutschen Krebsforschungszentrum angefordert werden per Fax: 0 62 21/42 30 20 oder E-Mail: who-cc@dkfz.de. PB
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