ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2006Tonsillopharyngitis: Die Wirksamkeit von Penicillin schwindet

AKTUELL: Akut

Tonsillopharyngitis: Die Wirksamkeit von Penicillin schwindet

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Bei jedem vierten Kind (25 Prozent) mit Streptokokken-Angina versagen Penicilline. Fast jedes fünfte Kind (18 Prozent) bleibt nach einer Behandlung mit Amoxicillin symptomatisch. Angesichts dieser Zahlen fordern US-Experten die Abkehr von Penicillinen als Mittel der ersten Wahl. Bereits im letzten Jahr hatten Michael Pichichero und Janet Casey von der Universität von Rochester im US-Staat New York in Pediatrics (2004; 113; 866–882) ernüchternde Zahlen vorgelegt. Ihre Meta-Analyse basierte auf 35 Studien mit 7 125 Patienten und dokumentierte eine zunehmende Rate von Therapieversagern in der Behandlung der Tonsillopharyngitis bei Verdacht auf Streptokokken-Infekt. Für die Annual Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy (ICAAC) in Washington – eine der weltweit wichtigsten infektiologischen Fachtagungen – haben die beiden Wissenschaftler ihre Zahlen auf der Basis von nunmehr 11 426 Patienten (47 Studien aus 35 Jahren) aktualisiert.

Die Ergebnisse werden jene 60 bis 80 Prozent der Ärzte überraschen, die ganz selbstverständlich Amoxicillin als Mittel der ersten Wahl einsetzen, während das traditionelle Penicillin noch von zehn bis 20 Prozent der Ärzte bevorzugt wird. Nur etwa zehn bis 20 Prozent der Patienten erhalten heute bereits ein Cephalosporin, was auch Kostengründe hat, denn Cephalosporine sind wesentlich teurer als Penicilline. Doch die Rate der erneuten Arztbesuche liegt nach den Erkenntnissen der US-Experten bei den traditionellen Cephalosporinen bei 14 Prozent und bei den neueren Substanzen sogar nur bei sieben Prozent und damit niedriger als bei Amoxicillin und Penicillin.

Dies rechtfertige den Wechsel auf ein Cephalosporin, wobei aus Kostengründen auch ein Cephalosporin der älteren Generation verwendet werden könnte, das nur wenig teurer sei als ein Penicillin. Bei den neueren Cephalosporinen könnten die Kosten gesenkt werden, weil sie statt über zehn Tage (wie die Penicilline) nur über vier bis fünf Tage gegeben werden müssten. Die kürzere Therapie würde auch die Adhärenz der Patienten fördern. Der vorzeitige Abbruch der Therapie gilt als wichtiger Grund für das Therapieversagen, ebenso die Verbreitung von Beta-laktamase produzierenden Co-Pathogenen, welche Penicillin, nicht aber die Cephalosporine inaktivieren. Außerdem würde die bessere Pharmakokinetik und Pharmakodynamik der Cephalosporine punkten. Rüdiger Meyer
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