ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2006Erfahrungsbericht: Gesundheitswesen als Wirtschaftsbranche
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LNSLNS Die geschilderten Vorgänge sind gewiss kein Einzelfall. Sie lassen sich auch nicht erst als Patient, sondern bei entsprechender Aufmerksamkeit bereits als visitierender Chefarzt auf den Stationen erfahren. Ursache ist m. E. nicht nur die Geld- und Stellenknappheit, sondern die allseits gewollte Aufsplitterung der Hierarchien im Krankenhaus, insbesondere die Dissoziation des ärztlichen und des pflegerischen Verantwortungsbereichs und die Verselbstständigung von Abteilungen (so sinnvoll dies andererseits sein mag). Pflegende und andere Berufsgruppen lassen sich von Ärzten nichts mehr vorschreiben, schon gar nicht hinsichtlich ihres persönlichen Verhaltens. Es gibt niemanden mehr, der sich für den Umgangston und für einen Verhaltenskodex gegenüber dem Patienten verantwortlich fühlt. Wenn man als Chef nicht ständig anwesend ist und von den engsten Mitarbeitern in diesem Bezug nicht nachhaltig unterstützt wird, hat man keine Chance. Ich zweifle auch, ob die diesbezügliche Kampagne der Krankenhausmanager Erfolg haben wird, den Patienten als „Kunden“ zu betrachten (zu dem man freundlich sein muss, da er Geld bringt) und nicht als leidendes menschliches Wesen (dem gegenüber man ein mitfühlendes Herz zeigt). Letztlich ist diese Entwicklung ein Ergebnis der politischen Entscheidung Anfang der 90er-Jahre, das Gesundheitswesen als eine Wirtschaftsbranche und nicht länger als eine soziale Aufgabe der Gesellschaft zu betrachten und entsprechend auszurichten.
Prof. Dr. med. Hans Wedler,
Goslarer Straße 115, 70499 Stuttgart
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