ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2006Erfahrungsbericht: Die Kollegen nicht aufhalten
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LNSLNS Den Bericht über das stationäre Martyrium des Dr. R. werte ich zunächst als köstliche Lektüre voller Poesie, doch er regt zum Nachdenken an. Da ich etliche Kollegen stationär behandelte und mehrfach chirurgisch und internistisch im Bette lag, ist mir die Dramatik der beschriebenen Erlebniswelt fremd. Dr. R. nennt aber die Ursache seiner Malaise: „seine Weigerung, sich mit dem Krankenhausleben als Kranker zu identifizieren“. Wurde hier ein Halbgott seines Weiß beraubt? . . . Offenbar störte ihn die multipersonelle Darstellung in puris naturalibus und als Superlativ die Pflege nach präoperativer Enthaarung in puncto puncti. Wortkarge Ärzte erlebte ich auch. Nächtens hatten diese „Leistungsanbieter“ um das Leben der Patienten gerungen für eine Entlohnung, für die ein Waschmaschinenschlosser oder Schlüsseldienst nie kommen würde. Auch die Schwestern waren in Eile und dennoch freundlich, hilfsbereit, obschon sie ausgepowert wurden. Natürlich war ich bemüht, wenig Arbeit zu verursachen und Ärzte nie unnötig aufzuhalten. Als ich bei Platzmangel – nach Befragung – in ein Mehrbettzimmer verlegt wurde, war mir das keine Capitis deminutio, und es störte mich nicht, dass zur TUR der Prostata eine Schwester die Genitalregion vorbereitete – ein Pfleger war z. Zt. nicht verfügbar. Der Arzt im „Bettenkerker“ soll normalerweise nur Patient sein, auch wenn er vom Fach ist. Einmal gab’s dabei eine Panne: Eine beginnende diastolische Insuffizienz wurde als COPD gewertet und therapiert, zu Nacht kam dann eine Tachyarrhythmie. Die Dienst habende junge Kollegin kam erst nach drei Stunden, tat nichts und meinte, als ich energisch die notwendige rhythmisierende Tablette forderte, ich sei doch außer Dienst. Bis zum Morgen geschah nichts. Hat die Kollegin ihr Abitur mit „Eins“ bestanden? Dennoch bleibt mein Grundsatz: Im Krankenhaus bin ich nur Patient. Die Kollegen soll man nicht unnötig aufhalten. Meine Erfahrung: Trotz oft unzumutbarer Überlastung wurde ich von Ärzten und Schwestern immer höflich und hilfsbereit betreut. Daher sollten wir ihnen den Dienst am Nächsten nicht zusätzlich erschweren.
Dr. med. Ewald Behne, Mittlere Trift 8, 33175 Bad Lippspringe
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