ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2006Lebensunwert zerstörte Leben. Zwangssterilisation und „Euthanasie“

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Lebensunwert zerstörte Leben. Zwangssterilisation und „Euthanasie“

Hamm, Margret

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Medizingeschichte: Bewegende Einzelschicksale
Margret Hamm: Lebensunwert zerstörte Leben. Zwangssterilisation und „Euthanasie“. VAS – Verlag für akademische Schriften, Frankfurt /Main, 2005, 256 Seiten, zahlreiche Abbildungen, gebunden, 19,80 €
Vor knapp einem Jahr wurde wieder ein „Euthanasie“-Prozess gegen eine der letzten noch beteiligten Ärztinnen eingestellt. Pressereaktionen zeigten ein immer noch vorhandenes erstaunliches Maß an Unkenntnis. Grundlegende Einzelheiten und die Beziehung der damaligen zu heute aktuellen medizinethischen Fragen sind selbst Kollegen in der Hochschule häufig ebenso unbekannt wie der Umfang der Mittäterschaft von Ärzten, Pflegern und Behörden an den Mord- und Verstümmelungsaktionen. Deshalb ist dem Geleitwort Hans-Jochen Vogels zuzustimmen, wenn er die „nicht genügend präsente Erinnerung“ beklagt.
Von ausgewiesenen Experten werden in 13, mit Bildern und Dokumenten versehenen Aufsätzen alle wichtigen Fragen behandelt: Gesetz und Führererlass als „rechtliche“ Grundlage von Zwangssterilisation und „Euthanasie“ sowie die Rechtsentwicklung in der Bundesrepublik (Scheulen), die Rolle der Amtsärzte (Vossen) und der Fürsorgebehörden (Sandner), der Umgang mit sozialen Außenseitern (Ayass), die Sonderpädagogik (Fuchs), die Einbeziehung der Minderjährigen (Beddies), die Bürokratie der T4-Aktion (Lilienthal), die Aktion 14f13 am Beispiel Bernburg (Hoffmann), die Haltung der Kirchen (Hinz-Wessels), Zeugenschaft und „historische Wahrheit“ (Roer), die Verweigerung der Entschädigung bis heute (Surmann) und, besonders verdienstvoll, der aktuelle Bezug zum Thema einer genetischen Verbesserung des Menschen (Wunder) und zur Sterbehilfe-Debatte (Feyerabend).
Die knappe Form der Darstellung, ohne Verzicht auf weiterführende Literatur, insbesondere aber der erste Teil des Werkes mit auf Dokumenten beruhenden Nachzeichnungen bewegender Einzelschicksale von Zwangssterilisierten und „Euthanasie“-Geschädigten machen das Buch zu einem Standardwerk – vor allem für den Einsatz im schulischen und akademischen Unterricht. Nicht zuletzt der günstige Preis und die sorgfältige Edition lassen hoffen, dass das Buch auch viele Ärzte zur intensiven Auseinandersetzung mit der Verantwortlichkeit ärztlichen Handelns anregt. Udo Schagen
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