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Die „Art Forum Berlin“ beschränkt sich auf zeitgenössische Kunst. Foto: Art Forum Berlin 2005
Die „Art Forum Berlin“ beschränkt sich auf zeitgenössische Kunst. Foto: Art Forum Berlin 2005
Der Kunstmarkt befindet sich zurzeit in einem Aufwärtstrend.

Der Kölner Kunstmarkt öffnete 1967 als Erster für die moderne Kunst. Von „Gemischtwarenhandlung“ und „Basar“ bis zu
euphorischen Lobpreisungen als „Museum auf Zeit“ reichen die Urteile über Kunstmessen. Aber eines ist sicher: Die Kunstmessen sind mittlerweile unverzichtbar und aus der Kunstszene nicht mehr wegzudenken. Das Überangebot von teilweise mehr als 200 Galerien kann den Besucher jedoch auch übersättigen.
Da ist man schon dankbar, wenn die Ausstellungsräume klar und übersichtlich gegliedert und zudem von Tageslicht durchflutet sind, einem Vorzug, den das „Art Forum Berlin“ mit der Präsentation in den denkmalgeschützten Ermisch-Messehallen am Funkturm den Konkurrenten voraushat. Diese jüngste Messe, die in diesem Jahr (Ende September) ihr 10-Jähriges feiert, beschränkt sich ausschließlich auf zeitgenössische Kunst und kann sich damit gegenüber den etablierten Messen in Köln und Basel profilieren.
Mit Besucherzahlen von zuletzt 37 000 reicht die Berliner Messe allerdings nicht an die „Art Cologne“ heran, die vier Wochen später (Ende Oktober) nicht nur zeitgenössische Kunst, sondern auch klassische Moderne bietet und die doppelte Besucherzahl vorweisen kann. 254 internationale Galerien sind jeweils vertreten, in diesem Jahr erstmals in neuem Ambiente, den Hallen 9 und 10 des Kölner Messegeländes. Aber auch dieser Umzug wird kaum ausreichen, um die Vormachtstellung der „Art Basel“ (Mitte Juni) zu brechen, die unangefochten ihre Spitzenstellung bezüglich Angebotsqualität und kauffreudiger internationaler Sammlerklientel verteidigt. Nirgendwo sonst sieht man so viel museumsreife Kunst von Picasso, Matisse, Magritte, Kandinsky oder Beckmann.
Mit derartigen Schwergewichten wie der „Art Basel“ will es Michael Neff, der neue Leiter der „Art Frankfurt“, die schon totgesagt wurde, nicht aufnehmen. Er will erst einmal „den Karren aus dem Dreck ziehen“, unter anderem durch Konzentration auf One-Man-Shows und attraktive Standpreise (Termin Mitte März). Eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die „Art Basel“ könnte die „Tefaf“ in Maastricht werden, die, obwohl als weltweit bedeutendste Altmeister-Messe ausgewiesen, in den letzten Jahren verstärkt auch klassische moderne und ausgewählte zeitgenössische Kunst in ihr Programm aufgenommen hat, wissend, dass auf diesem Gebiet viel Geld zu verdienen ist.
In einem sind sich alle Experten einig: Der Kunstmarkt befindet sich zurzeit in einem Aufwärtstrend. Der Boom der lange Zeit gegenüber Fotokunst, Videoarbeiten und Installationen vernachlässigten Malerei hat Schubkraft gebracht. Es bleibt abzuwarten, ob diese Euphorie anhält, die dazu führt, dass Arbeiten von den jungen Künstlern speziell der Leipziger und Dresdener Schule über Wartelisten nur noch an ausgewählte Sammler und Museen verteilt werden. Der Doktor, der dennoch nach der Möglichkeit fragt, ein Bild eines bestimmten Leipziger Malers zu erwerben, wird vom Galeristen abgefertigt: „Sie sind doch Mediziner, Sie wissen doch, was hoffnungslos ist!“
Es bleibt spannend, in Zukunft die weitere Entwicklung auf den Kunstmärkten zu beobachten – unter besonderer Berücksichtigung der Förderkojen und der Nebenmärkte wie Berliner Liste, Art Fair Köln und Volta 02 Basel, denn dort könnten die Stars von morgen zu finden sein. So beeindruckten sowohl auf der Berliner Liste 2005 als auch auf dem Art Fair Köln die Arbeiten des 1971 in Freiburg geborenen Eckart Hahn, der von der Galerie Burkhard Eikelmann, Düsseldorf, vertreten wird. Seine in altmeisterlicher Manier gemalten Bilder verharren an der Oberfläche der Dinge, die gleichwohl ein Geheimnis zu hüten scheint. Die Preise beginnen für kleine Formate bei 1 300 Euro. Auf diesem Preisniveau sind sicherlich auch in Zukunft noch interessante Entdeckungen zu machen. Helmut Jaeschke

„Art Basel“ 37, Messe Basel, Messeplatz, 14. bis 18. Juni 2006, Tagesticket 30 CHF, Abendticket 10 CHF, www.artbasel.com. „Art Forum Berlin“, Messegelände Berlin, Hallen 18 bis 20, 4. bis 8. Oktober 2006, Eingang Masurenallee 19, Tagesticket 15 Euro, Abendticket 10 Euro, www.art-forum-berlin.com. „Art Frankfurt – High & Low“, 16. bis 19. März 2006, Messe Frankfurt, www.artfrankfurt.com. „Art Cologne“, Messeplatz 1, 50679 Köln, Termin: Ende Oktober 2006, Tagesticket 15 Euro, Abendticket 9 Euro, www.koelnmesse.com. „Tefaf“ Maastricht, Maastricht Exhibition & Congress Center, Forum 100, NL-6229 Maastricht, 10. bis 19. März 2006, www.tefaf.com
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