ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2006Selbstbestimmungsrecht des Patienten: Aufklärung über Behandlungsmöglichkeiten war lückenhaft

VARIA: Rechtsreport

Selbstbestimmungsrecht des Patienten: Aufklärung über Behandlungsmöglichkeiten war lückenhaft

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LNSLNS Im entschiedenen Fall ging es um eine Klage wegen Verletzung der ärztlichen Aufklärungspflicht. Die Klägerin war nach einem im Krankenhaus konservativ versorgten Bruch in der Nähe des rechten Handgelenks in ambulanter ärztlicher Behandlung. Der Bruch verheilte in einer Fehlstellung. Die Klägerin machte daraufhin geltend, der Arzt habe ein fortschreitendes Abkippen des Bruchs bemerkt, sie aber trotz der Gefahr einer bleibenden Funktionsbeeinträchtigung des Handgelenks nicht auf weitere Behandlungsmöglichkeiten hingewiesen.
Zwar ist nach der Rechtsprechung die Wahl der Behandlungsmethode primär Sache des Arztes. Bestehen indessen mehrere indizierte und übliche Behandlungsmethoden und somit eine Wahlmöglichkeit für einen Patienten, dann muss ihm nach entsprechender ärztlicher Aufklärung die Entscheidung über die Behandlung überlassen werden. Dies ergibt sich aus der dem Patienten geschuldeten Selbstbestimmungs- oder Risikoaufklärung.
Der Arzt war nach Ansicht des Bundesgerichtshofs verpflichtet, die Klägerin nicht nur davon in Kenntnis zu setzen, dass der Bruch in Fehlstellung zu verheilen drohe. Er hätte sie auch über weitere Behandlungsmöglichkeiten informieren müssen. Ohne diese Aufklärung erfolgte die Behandlung ohne wirksame Einwilligung und war somit rechtswidrig. Der Arzt haftet deshalb für die Folgen.
Zwar könnte nach Auffassung des Gerichts geltend gemacht werden, der gleiche Gesundheitsschaden wäre auch nach einer Reposition oder einer Operation entstanden, wenn eine dieser Behandlungsmethoden gewählt worden wäre. Aber nur wenn dieser Verlauf feststünde, könnte die Haftung des Arztes für die Folgen seiner rechtswidrigen Vorgehensweise verneint werden. Das Beweisrisiko läge beim Arzt; er müsste dann nachweisen, dass derselbe Misserfolg auch nach Wahl einer anderen Behandlungsmethode eingetreten wäre. (Bundesgerichtshof, Urteil vom 15. März 2005, Az.: VI ZR 313/03) Be

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