ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2006Das Unbewusste und die Abwehrmechanismen. Psychoanalyse und Empirie / Der Traum und die Fehlleistungen

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Das Unbewusste und die Abwehrmechanismen. Psychoanalyse und Empirie / Der Traum und die Fehlleistungen

Werner, Christoph; Langenmayr, Arnold

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LNSLNS Psychoanalyse: Ammenmärchen widerlegt
Christoph Werner, Arnold Langenmayr: Das Unbewusste und die Abwehrmechanismen. Psychoanalyse und Empirie, Band 1. 204 Seiten, kartoniert, 29,90 €.
Der Traum und die Fehlleistungen. Band 2. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2005, 242 Seiten, kartoniert, 32,90 €
Schon lange ist es eine bewegende Frage, wie sich psychoanalytische Hypothesen über das Seelenleben empirisch bestätigen oder widerlegen lassen. Eysencks schweres Fehlurteil ist mittlerweile widerlegt. Es betraf die Behauptung, psychoanalytische Behandlungen erzielten keine besseren Ergebnisse als „Spontanremissionen“. Mittlerweile weiß man, dass Psychoanalyse weit effektiver ist als die gefälschten Daten Eysencks.
Die Frage, ob man eine psychoanalytische Theorie oder Stücke davon überhaupt untersuchen kann, beantworten die Autoren positiv. Sie berufen sich auf schon früher angefertigte Sammelarbeiten, in denen bis Mitte der 1970er-Jahre mehr als 1 800 empirische Arbeiten gesichtet wurden. Sie selbst haben in den Datenbanken die Literatur recherchiert und festgestellt, „dass sich aus der Theorie testbare Hypothesen ableiten lassen und dass die Theorie für die empirisch-psychologische Forschung durchaus von Wert ist“. Das ist kein Nebenbefund, weil die gegenteilige Behauptung immer in der Welt war. Die Probleme einer Operationalisierung von Abwehrmechanismen wie Verdrängung und Projektion (die hauptsächlich dargestellt werden) sind immens. Was klinisch Gültigkeit und seinen Nutzen erwiesen hat, ist oftmals nicht im Experiment nachzuahmen. Aber dass die hier untersuchten Freudschen Konzepte „eine teilweise empirische Stützung erfahren haben“, ist für eine empirische Forschung ein großer Gewinn – für die Psychoanalyse auch.
Im zweiten Band werden auf der Basis sorgfältiger Recherchen der empirischen Literatur die Befunde zur Traumtheorie (Symbolik, Wunscherfüllung) und zu den Fehlleistungen (bei verschiedenen Gruppen wie Zwanghaften, Bulimikern) vorgestellt. Die Wunscherfüllungsthese wird als empirisch nicht voll, sondern nur für einen Teil von Träumen gestützt angesehen. Auch hat Freud wahrscheinlich die Bedeutung des manifesten Traums unterschätzt; dieser Befund stimmt mit schon vor längerer Zeit formulierten klinischen Einsichten überein. Doch die Symboltheorie findet eine breite empirische Resonanz. Das gilt auch für die Freudsche Annahme, dass der Traum der Verarbeitung von „Tagesresten“ diene. Wenig überraschend für diejenigen, die sich mit neurophysiologischen Befunden der jüngeren Zeit befassen, ist es, dass die Traumtheorie Freuds auch mit vielen Befunden der Neurowissenschaftler übereinstimmt.
Die Ergebnisse „jüngerer Untersuchungen zu Fehlleistungen (können) als volle Bestätigung der diesbezüglichen psychoanalytischen Erklärung angesehen werden“. Sie können „nicht mehr ernsthaft bezweifelt“ werden, heißt es deutlich.
Mit diesen beiden Bänden liegt ein groß angelegter und solide durchgeführter Versuch vor, die Literatur zur Psychoanalyse genau zu sichten. Der immense Fleiß der beiden Autoren wird in den Literaturlisten erkennbar. Die Befunde sind für die Psychoanalyse überaus erfreulich und widerlegen viele Ammenmärchen. Michael B. Buchholz
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