ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2006Depression: Häufiges Versagen der Erstbehandlung

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Depression: Häufiges Versagen der Erstbehandlung

PP 5, Ausgabe Januar 2006, Seite 5

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Auftakt zur größten Therapiestudie zur Depression
Nur ein Drittel der Patienten mit Major-Depression wird unter einer Erstbehandlung mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) symptomfrei, wobei die Chancen am besten sind bei Patienten
mitteleuropäischer Herkunft (Kaukasier), Frauen, Patienten in einem Beschäftigungsverhältnis und solchen mit hohem Einkommen oder Bildungsgrad. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Patienten von einem Fach- oder Hausarzt behandelt werden. Das sind die ersten Ergebnisse der „Sequenced Treatment Alternatives to Relieve Depression
(STAR*D)“-Studie, die in der Januar-Ausgabe des American Journal of Psychiatry vorgestellt werden.
Die Publikation ist die erste in einer Serie zu der bisher größten Therapiestudie zur Depression in den USA und damit wohl auch weltweit. Für STAR*D hat das National Institute of Mental Health (NIMH) 35 Millionen US-Dollar aufgewendet, damit während der sechsjährigen Laufzeit an 14 regionalen Behandlungszentren in den USA 2 876 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Major-Depression behandelt werden konnten. Die Studie unterschied sich in mehreren Punkten von früheren Studien.
Endpunkt ist nicht einfach die Reduktion der Symptome bei unkomplizierten Patienten ohne Komorbidität, die über eine relativ kurze Behandlungszeit von oft nur wenigen Wochen behandelt werden. Stattdessen werden die Patienten bis zu einem Jahr beobachtet. Zudem werden sie auch hinsichtlich ihrer Fähigkeit, am Alltag oder Berufsleben teilzunehmen, untersucht und Fragen zur Lebensqualität gestellt. Schließlich gab es keine enge Selektion bei der Aufnahme. Auch Patienten mit Begleiterkrankungen durften teilnehmen. So hatte die Erkrankung bei mehr als einem Drittel der Patienten bereits vor dem 18. Lebensjahr begonnen. Rund 75 Prozent hatten mehr als eine Episode gehabt, und bei 25 Prozent hatte die Episode mehr als zwei Jahre angedauert. Der wichtigste Unterschied zu früheren Studien bestand darin, dass die Studie mehrere Behandlungsebenen vorsieht. Patienten, die nicht auf ein Medikament ansprechen, werden weiteren Therapien zugeführt. Vier „Level“ sind vorgesehen. Neben Medikamenten kommt auch die Psychotherapie zum Einsatz.
Die erste Publikation teilt die Ergebnisse des Levels 1 mit, wobei die relativ geringere Responserate von etwa einem Drittel auffällt. Weitere zehn bis 15 Prozent erzielten eine Teilremission, bei der die Symptome um wenigstens die Hälfte gemildert wurden. Alle anderen Patienten wurden in den höheren Levels anderen Therapien zugeführt. Deren Ergebnisse sollen im weiteren Verlauf des Jahres mitgeteilt werden.
Thomas Insel, der Direktor des NIMH, hebt in einem begleitenden Editorial die Besonderheiten der Studie hervor. Das Ziel sei es gewesen, eine individualisierte Therapie für die Patienten zu finden. Um die neue Qualität der Studie hervorzuheben, wird STAR*D als eine der ersten Studien zur Wirksamkeit (Effectiveness) bezeichnet, im Unterschied zu früheren Studien, die nur die Wirkung (Efficacy) untersucht hätten. rme
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