ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2006Pablo Picasso: Die menschliche Figur

FEUILLETON

Pablo Picasso: Die menschliche Figur

Gold, Dagmar

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„Sitzender Harlekin“
„Sitzender Harlekin“
Pablo Picasso konnte sich eine eigene Welt erschaffen. Als er noch arm war und in einem schäbigen Raum ohne Möbel arbeiten musste, malte er einfach an die Wände: ein Bett, einen Tisch voll exquisiter Speisen, einen Geldschrank und sogar eine Dienerschaft. Schon lebte er wie ein König. Seine Vorstellungskraft hat sich bewahrheitet. Ab 1916 ging es ihm finanziell gut, und bis auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges lebte er in gehobenen Verhältnissen. Sein tatsächlicher Reichtum aber war seine Kunst. 1973, 91-jährig, hinterließ er ein gewaltiges Werk von schätzungsweise mehr als 30 000 Originalen.
Das Picasso-Museum im zentralgelegenen Marais-Viertel ist eines der großen Attraktionen in Paris, das Kunstliebhaber aus aller Welt anzieht. Zurzeit ist ein Teil der großartigen Sammlung jener Kunstwerke, die Picasso zeitlebens bei sich behielt, in Berlin zu bewundern. Zum 20-jährigen Jubiläum des Musée Picasso präsentiert die Nationalgalerie in Berlin eine umfassende Ausstellung mit etwa 90 Gemälden und Skulpturen und mehr als 80 Arbeiten auf Papier, die retrospektiv das gesamte Schaffen Pablo Picassos umspannen.
Die Sammlung des Pariser Museums bildet zusammen mit der des Museu Picasso in Barcelona die umfangreichste und bedeutendste des Jahrhundertkünstlers. Von den frühen Werken der Blauen und Rosa Periode über die wegbereitenden Arbeiten des Kubismus, in denen die Form erstmals über den Inhalt dominierte, bis hin zum erotisch aufgeladenen Spätwerk des fast 90-Jährigen zeigt die Ausstellung in Berlin den genia-len Künstler von einer sehr biografischen Seite. Picassos Frauen, Geliebte und Kinder waren seine bevorzugten Modelle. Zahlreiche ihrer Porträts behielt er als Erinnerungsstücke bei sich, zusammen mit Werken, die ihm selbst in seiner Entwicklung besonders bedeutungsvoll erschienen. Die menschliche Figur war zeitlebens das bestimmende Thema in Picassos Schaffen. Er abstrahierte bis an die Grenzen der Gegenstandslosigkeit, wurde jedoch nie völlig abstrakt. In unendlichen Verwandlungen und Verformungen blieb der Körper Picassos zentrales Interesse.
Fotos:VG Bild Kunst, Bonn 2005 „Mittelmeerlandschaft“
Fotos:VG Bild Kunst, Bonn 2005 „Mittelmeerlandschaft“
Häufig trat mit einer neuen Frau auch eine neue Phase der Kreativität in sein Leben. Fernande Oliver, Olga Khokhlowa, Marie-Thérèse Walter, Dora Maar, Françoise Gilot und Jacqueline Roque sind in repräsentativen Werken in der Ausstellung vertreten. Weltberühmte Gemälde wie das klassische Bildnis seines Sohnes „Paul als Harlekin“ aus dem Jahr 1924 und Ikonen wie der „Stierkopf“ von 1942, den Picasso aus einem Fahrradsattel und einer Lenkstange baute, zeigen die unglaubliche Vielfalt seiner Formensprache. Vom „Selbstbildnis“ des erst 20-Jährigen aus dem Jahr 1901 bis zu Werken wie „Liegende Aktfigur und gitarrespielender Mann“, das Picasso erst im Oktober 1970 malte, umfasst die Ausstellung aus der Sammlung des Musée Picasso die unzähligen Wandlungen und Neuerungen seiner Ausdrucksmittel.
Ergänzt durch zahlreiche Fotos aus dem Picasso-Archiv, bietet die Ausstellung dem Besucher einen Einblick in das bewegte und facettenreiche Leben dieses außerordentlich produktiven und einflussreichen Künstlers. 1910 hatte Picasso „die Fotografie entdeckt. Jetzt kann ich mich umbringen.“ Die Angst des Malers vor dem neuen Medium wandelte sich schnell in Begeisterung. Die Fotografie setzte er bei der Entstehung seiner Werke ein und entwickelte neue Strategien des Sehens. Für viele Kompositionen benutzte Picasso Fotos als Arbeitsmaterial und dokumentierte, kontrollierte und korrigierte damit den Entstehungsprozess vieler seiner Werke. Sensationell sind sei-ne zahlreichen frühen Selbst-porträts und Selbstinszenierungen, beeindruckend seine Porträts von Freunden und Weggefährten wie Georges Braque, Henri Rousseau, Max Jacob, Guillaume Apollinaire und anderen. Dagmar Gold

„Das Mädchen mit der Taube“
„Das Mädchen mit der Taube“
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Die Ausstellung „Pablo. Der private Picasso. Le Musée Picasso à Berlin“ ist bis 22. Januar 2006 in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu sehen. Informationen: www.picassoinberlin.org. Für die Leser des Deutschen Ärzteblattes sind einige hochwertige Kunstdrucke (veredelt, mit Leinenstruktur, circa 80 x 60 cm) reserviert: Motive „Paysage mediterranéen“ und „L’enfant au pigeon“, mit Silberleiste jeweils 245 Euro, in weißer Holzleiste jeweils 195 Euro, und das Motiv „Sitzender Harlekin“, Farboffsetlithographie auf Bütten, circa 80 x 60 cm, limitierte Auflage 5 000 Exemplare, unter Passepartout mit Silberleiste: 275 Euro, ungerahmt 125 Euro. Bestellung über die Edition des Deutschen Ärzte-Verlags, Telefon: 0 22 34-70 11-3 24, Fax 70 11-4 76, E-Mail: vsbh@aerzteverlag.de.

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