ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2006Ärzteproteste: Gewaltiger Unmut

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Ärzteproteste: Gewaltiger Unmut

Gerst, Thomas

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LNSLNS Zunächst langsam, dafür jetzt umso gewaltiger bricht sich auch der Unmut der niedergelassenen Ärzte Bahn. Die Leidensfähigkeit der Ärzte schien lange Zeit unbegrenzt – nicht zuletzt das Resultat einer Gesundheitspolitik, die geschickt die Interessen von Haus- und Fachärzten gegeneinander ausspielte. Was hat man nicht alles widerstandslos über sich ergehen lassen: Punktwerteverfall, Praxisbudgets, Arzneimittelregress, Bürokratisierung, Praxisgebühr, Gängelung durch die Krankenkassen, Verlust der Praxis als Alterssicherung und vieles andere mehr. Mit der Geduld der Niedergelassenen scheint es nun vorbei zu sein. Die aktuellen Proteste sind nicht vergleichbar mit den Aktionen des im Jahr 1999 ins Leben gerufenen „Bündnisses für Gesundheit“. Dies war eine – von der Bundes­ärzte­kammer initiierte – gemeinsame Plattform aller Gesundheitsberufe gegen die Gesundheitspolitik der rot-grünen Koalition.
Die derzeitige Protestwelle geht von der Basis aus und wird getragen von der – aus der Not geborenen – Solidarität der Ärzte. Wer als Politiker in einer solch prekären Situation noch ein Arzneimittel-Sparpaket mit einer Bonus-Malus-Regelung aus dem Hut zaubert, bei dem der Arzt dafür belohnt wird, dass er dem Patienten bestimmte Medikamente vorenthält, muss sich über empörte Reaktionen nicht wundern. „Die Diagnose ist seit langem klar. Am 18. Januar beginnen wir mit der Therapie“ – so kündigte Bundes­ärzte­kammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe den bundesweiten Protesttag an. Tausende Ärzte nahmen an den zentralen Kundgebungen am 18. Januar in Berlin und München teil. Die Krankenhausärzte hatten vorexerziert, wie man sich öffentlichkeitswirksam in Szene setzt. Wirkungsvoller aber als die zentralen Kundgebungen könnten die zahllosen lokalen Protestaktionen sein, mit denen die niedergelassenen Ärzte auf Marktplätzen und Fußgängerzonen auf ihre zum Teil ruinöse Situation aufmerksam machen. Hier wird das Gespräch mit den Passanten gesucht. Gelingt es dabei, diesen die Nöte und Vorstellungen der Ärzte überzeugend zu vermitteln, wird es die Politik in Zukunft schwer haben, den niedergelassenen Ärzten weiterhin die Verantwortung für Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen zuzuschieben. Thomas Gerst
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