ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2006Forschungsskandal: Hwang fälschte Studie komplett

AKTUELL

Forschungsskandal: Hwang fälschte Studie komplett

Dtsch Arztebl 2006; 103(3): A-84 / B-72 / C-72

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Entzauberter Held: Es gibt keine Daten, die das Klonen menschlicher Embryonen und Stammzellen durch Hwang belegen. Foto:AP
Entzauberter Held: Es gibt keine Daten, die das Klonen menschlicher Embryonen und Stammzellen durch Hwang belegen. Foto:AP
Südkoreanische Untersuchungskommission legte ihren Abschlussbericht vor.
Nahezu sämtliche als bahnbrechend geltenden Forschungsergebnisse des südkoreanischen Wissenschaftlers Woo Suk Hwang sind gefälscht. Die Untersuchungskommission der Universität Seoul gab am 10. Januar bekannt, dass nicht nur die „Science“-Publikation von 2005, sondern auch schon das Paper von 2004, mit dem Hwang der Weltöffentlichkeit die ersten geklonten menschlichen Embryonen präsentierte, nicht auf tatsächlichen Forschungsergebnissen beruht.
Es gebe keine Daten, die das Klonen menschlicher Embryonen und Stammzellen durch Hwang belegten, teilte die Kommission in ihrem Abschlussbericht mit. Lediglich der Hund „Snuppy“ scheint von Hwang geklont zu sein. Ferner soll der Forscher für seine Klonexperimente sehr viel mehr weibliche Eizellen benutzt haben als bisher angegeben (2061 statt 271). Für die Eizellspenden hat der Wissenschaftler dem Bericht zufolge auch eigene Mitarbeiterinnen herangezogen.
Mit dem Abschlussbericht bestätigt sich der bereits seit Mitte Dezember 2005 gehegte Verdacht, die bislang umjubelten Stammzellstudien könnten gefälscht sein (DÄ, Heft 51–52/2005). Hwang bestreitet dennoch bis heute, seine Forschungsergebnisse vorsätzlich manipuliert zu haben. Der zuvor als südkoreanischer Volksheld verehrte Wissenschaftler gestand lediglich ein, Eizellen von Mitarbeiterinnen benutzt, Bilddateien in der Publikation verwechselt und Daten „aufgebauscht“ zu haben. Hwang entschuldigte sich dafür öffentlich, sieht sich gleichzeitig aber als Opfer eines Komplotts. Bereits im November 2005 trat er von seinen öffentlichen Ämtern zurück. Nun wird Hwang – Medienberichten zufolge – auch nicht mehr in sein Labor zurückkehren. Möglicherweise droht ihm eine Gefängnisstrafe. ER
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema