ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2006Literatur und Medizin. Ein Lexikon
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Lexikon: Ungewöhnliches Lesevergnügen
Bettina von Jagow, Florian Steger (Hrsg.): Literatur und Medizin. Ein Lexikon. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2005, 498 Seiten, Leinen, mit Schutzumschlag, 59 €
Dem Herausgeberteam ist ein ungewöhnlicher Wurf gelungen: Das Lexikon, sonst Inbegriff trockener Sachinformation – hier ist es ein Lesevergnügen! Wie Arzt, Patient und Krankheit sich über Jahrhunderte in der europäischen Literatur spiegeln, wie umgekehrt medizinische Kenntnisse zum Verständnis fiktionaler Texte beitragen – über diese Wechselwirkungen wird in fast 200 Einträgen von A wie Abtreibung bis Z wie Zwang ebenso sachkundig wie stilistisch anspruchsvoll nachgedacht. Berücksichtigt werden auf den rund 500 Seiten Grundbegriffe der Medizin (Arzt-Patienten-Beziehung, Diagnose, Symptom, Therapie), wichtige Krankheiten aus Vergangenheit und Gegenwart (Aids, Morbus Alzheimer, Pest, Syphilis), Phänomene zwischen Alltag und Heilkunde (Ekel, Eifersucht, Liebe, Lust) sowie Grundfragen der medizinischen Ethik (Aufklärung, Autonomie, Biopolitik, Stigma).
Die Beiträge sind einheitlich und gelungen strukturiert: Auf einen knappen, wesentliche medizin- und kulturgeschichtlichen Entwicklungslinien zusammenfassenden Abriss zum Stichwort folgt eine breit angelegte Diskussion entsprechender literarischer Werke, die ebenfalls in den historischen, wissenschaftlichen und sozialen Kontext eingebettet wird. Ohne zu übertreiben: Hier tut sich eine wahre Fundgrube für ärztliche Leser auf. Hinweise auf die aktuelle Forschung runden die Einträge, ein sehr nützliches Personen- und Werkregister, den Band ab.
Medizin als Humanwissenschaft, ärztliches Handeln in seinen zutiefst menschlichen Aspekten – wer danach sucht, dem präsentiert dieses schöne und wertvolle Buch eine Vielzahl von Anregungen und Einsichten. Axel Karenberg

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