ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2006Erektile Dysfunktion: Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie: Schlusswort
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LNSLNS Herzlichen Dank an die Kollegen Laakmann, Hein und Magnussen für ihren Hinweis zum Schlafapnoe-Syndrom und der möglichen Folgen für die erektile Funktion. Die erwähnten exzellenten Therapieerfolge des Schlafapnoe-Syndroms mit Restitution der Erektion sollten alle an der Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion (ED) beteiligten Ärzte auch an die Differenzialdiagnose Schlafapnoe-Syndrom denken lassen. Von besonderer Bedeutung erscheint hierbei die häufige Wiedererlangung der natürlichen Erektionsfähigkeit durch die Anwendung der Beatmungstherapie ohne weitere, spezifisch erektile therapeutische Intervention (1).
Die Anmerkungen der Kollegen Basche und Elsebach zum venösen Leck als Ursache der erektilen Dysfunktion sind in der Diskussion über die Wertigkeit interventioneller und operativer Verfahren zur Therapie der ED von Bedeutung. Die Prävalenz der allein venös bedingten erektilen Dysfunktion scheint mit bis zu 78 Prozent doch deutlich zu hoch, vor allem – wie es erst jüngst wieder in einer Screeningstudie an fast 3 000 Männern von 20 bis 80 Jahren gezeigt werden konnte – unter dem Aspekt der Hauptrisikofaktoren Alter, LUTS („lower urinary tract symptoms“) und allgemeine vaskuläre Risikofaktoren wie Diabetes oder Hypercholesterinämie. Die Erfolgsraten der interventionellen Therapie venöser Störungen sind bei ausgesuchten Publikationen und kleinen Fallzahlen nicht höher als 70 Prozent mit einem Abfall auf weit unter 40 Prozent bei entsprechend größeren Fallzahlen und längerem Nachuntersuchungszeitraum (3, 4). Dies zeigt die Notwendigkeit der genauen Diskussion dieser Verfahren und deren Ergebnisse mit den Patienten vor einer solchen Intervention.
Zum Schluss sei Herrn Kollegen Bartels für die Tipps zur praktischen Anwendung gedankt. Am wichtigsten ist die auch von uns im Artikel erwähnte positive Verstärkung des Patienten oder idealerweise des Paares. Eindrücklich zeigt sich dies in den „Erfolgsraten“ nach wiederholter Anwendung eines Medikamentes, wo sich bei einem initialen Erfolg von 40 Prozent nach der achten Applikation eine Erfolgsrate von nahezu 80 Prozent ergibt. Da jede erfolgreiche Therapie auch Nebenwirkungen haben kann, soll auch das dazugehörige Antidot beim vor allem medikamenteninduzierten Priapismus erwähnt werden. Zur Verfügung stehen Sympathomimetika und Methylenblau 100 mg intrakavernös, wobei Letzteres geringere Nebenwirkungen aufweist (5).
Der Hinweis auf den fehlenden Erfolg revaskularisierender Eingriffe sei dahingehend ergänzt, dass bei in den letzten Jahren weiter verbesserter, strenger Patientenselektion in Einzelfällen mit einer Erfolgsrate von mehr als 50 Prozent für länger als 30 Monate gerechnet werden kann.
Diese Erfolge sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass venöse Sperroperationen und penile Revaskularisationen im Langzeitverlauf mit ihren Erfolgsraten nicht über den bekannten Placeboraten bei der Behandlung der ED liegen und deshalb nur noch in sorgfältig ausgewählten Einzelfällen durchgeführt werden sollten.
Die Hinweise und Diskussionspunkte der Kollegen belegen das allgemeine Interesse an der Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion und unterstreichen die Bedeutung eines fachübergreifenden Handelns für die Patienten.

Literatur
1. Goncalves M, Guilleminault C, Ramos E, Palha A,
Paiva T: Erectile dysfunction, obstructive sleep apnea syndrome and nasal CPAP treatment. Sleep Med 2005; 6: 333–9.
2. Ponholzer A, Temml C, Mock K, Marszalek M, Obermayr R, Madersbacher S: Prevalence and risk factors for erectile dysfunction in 2 869 men using a validated questionnaire. Eur Urol 2005; 47: 80–5.
3. Peskircioglu L, Tekin I, Boyvat F, Karabulut A, Ozkar-
des H: Embolization of the deep dorsal vein for the treatment of erectile impotence due to veno-occlusive dysfunction. J Urol 2000; 163: 472–5.
4. Manning M, Spahn M, Jünemann KP: Vascular surgery, implant surgery and vacuum erectile aids. Review-overview-prospects of 3 therapy options in erectile dysfunction. Urologe A 1998; 37: 509–15.
5. Hubler J, Szanto A, Konyves K: Methylene blues as a means of treatment for priapism caused by intracavernous injection to combat erectile dysfunction. Int Urol Nephrol 2003; 35: 519–21.

Priv.-Doz. Dr. med. Herbert Sperling
Urologische Klinik am Universitätsklinikum Essen
Hufelandstraße 55
45122 Essen
E-Mail: herbert.sperling@uni-essen.de

Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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