ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2006Hodenhochstand im Kindesalter – oft zu spät behandelt: Hodenhochstand primär medikamentös therapieren

MEDIZIN: Diskussion

Hodenhochstand im Kindesalter – oft zu spät behandelt: Hodenhochstand primär medikamentös therapieren

Albers, Norbert

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LNSLNS Den Kollegen Zöller und Ringert sei gedankt für ihren Beitrag, der das Bewusstsein für eine rechtzeitige Therapie des Hodenhochstands vor dem zweiten Geburtstag schärft. Zur medikamentösen Therapie sollten aber noch einige Fakten hinzugefügt werden, da aus dem Artikel deren Wertigkeit nicht abgelesen werden kann und die medikamentöse Therapie nach wie vor einen unverzichtbaren therapeutischen und ökonomischen Stellenwert hat.
Metaanalysen zeigen, dass bei sorgfältiger Datenerhebung und nach Ausschluss von Patienten mit Pendelhoden die Erfolgsraten der genannten Medikamente (LHRH und HCG) fast gleichauf bei nur 20 Prozent liegen (1). Trotzdem ist es sinnvoll, bei allen Jungen mit Hodenhochstand mit einer medikamentösen Therapie zu beginnen und erst bei Erfolglosigkeit unverzüglich eine Orchidopexie anzustreben. Durch die konservative Therapie wird immerhin bei 20 Prozent der Jungen eine Operation umgangen – für die Patienten und ihre Familien ein wichtiger Gesichtspunkt. Aber auch aus ökonomischen Gründen ist es sinnvoll, die teureren Operationen zu vermeiden. Selbst die erfolglose, primär medikamentöse Behandlung von 80 Prozent der Patienten führt in der Betrachtung des Gesamtkollektivs zu dem Schluss, dass eine vorgeschaltete medikamentöse Therapie ökonomisch sinnvoll ist, wie eigene Berechnungen ergeben haben (2).
Selbstverständlich darf die medikamentöse Therapie nicht dazu führen, dass die bei den meisten Patienten letztlich notwendige Orchidopexie verzögert wird. Ob man als Ziel einen Deszensus bis zum 18. oder bis zum 24. Lebensmonat setzen sollte, ist wissenschaftlich derzeit nicht klar zu entscheiden (2). Daher halte ich die Forderung einer endgültigen Versorgung vor dem zweiten Geburtstag für ein nachvollziehbares Minimalziel, dessen Umsetzung angesichts der erschreckend späten Versorgung in Deutschland schon ein sehr großer Erfolg wäre.

Literatur
1. Pyörälä S, Huttunen NP, Uhari M: A review and meta-analysis of hormonal treatment of cryptorchidism.
J Clin Endocrinol Metab 1995; 80: 2795–9.
2. Albers N: Konservative Therapie des Hodenhochstandes. Monatsschr Kinderheilkd 2005; 153: 436–43.

Prof. Dr. med. Norbert Albers
Kinderhospital Osnabrück
Iburger Straße 187
49082 Osnabrück

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