ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2006Mitteilungen: Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses zum einrichtungsinternen Qualitätsmanagement für die vertragsärztliche Versorgung

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Mitteilungen: Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses zum einrichtungsinternen Qualitätsmanagement für die vertragsärztliche Versorgung

Dtsch Arztebl 2006; 103(3): A-143 / B-123 / C-123

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LNSLNS Unter Qualitätsmanagement wird die zielorientierte, systematische Anwendung von nützlichen und bewährten Instrumenten in der medizinischen und psychotherapeutischen Versorgung verstanden. Durch die regelmäßige Überprüfung und Hinterfragung des Erreichten soll sichergestellt werden, dass das hohe Versorgungsniveau gehalten und dort, wo erforderlich, weiter ausgebaut werden kann.
Nachdem Qualitätsmanagementansätze zunächst für größere Betriebe vor allem im industriellen Bereich konzipiert wurden, wurden diese zwischenzeitlich auch für kleinere und kleinste Organisationseinheiten, wie eine Praxis, adaptiert. Im Zuge zunehmender Komplexität und Anforderungen in der vertragsärztlichen Medizin hatte es deshalb der Gesetzgeber als erforderlich und nutzbringend angesehen, dass nach der vorbestehenden Verpflichtung für Krankenhäuser auch für die vertragsärztliche Versorgung die Einführung eines einrichtungsinternen Qualitätsmanagements verbindlich gemacht wird. Zur Umsetzung dieser in den §§ 135a und 136 SGB V verankerten Anforderung wurde der Gemeinsame Bundes­aus­schuss beauftragt, alles Nähere in Richtlinien zu regeln.
Dieser Aufgabe ist der Gemeinsame Bundes­aus­schuss mit der Veröffentlichung der Richtlinie zum einrichtungsinternen Qualitätsmanagement in der ambulanten Versorgung in dieser Ausgabe des Ärzteblattes nachgekommen.
Qualitätsmanagement hat sehr viel mit der Etablierung einer Qualitätskultur zu tun: Es lässt sich nicht verordnen, sondern muss gelebt werden. Qualitätsorientierung ist dann erfolgreich, wenn es als Selbstverpflichtung aller an der Versorgung Beteiligten verstanden wird. Diesem Grundsatz folgend wurde die Richtlinie so vereinbart, dass 1. ein angemessen langer Zeitraum von vier Jahren für die Einführung zur Verfügung steht, 2. eine verpflichtende Festlegung auf bestimmte Qualitätsmanagementsysteme nicht erfolgte und schließlich 3. auf eine Sanktionierung für den Zeitraum der nächsten fünf Jahre verzichtet wurde.
Die Richtlinie beschreibt die Grundelemente und Instrumente des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements. Im Mittelpunkt steht dabei die Patientenversorgung. Im Unterschied zur im ambulanten Sektor lange etablierten Qualitätssicherung der Struktur- und Prozessqualität, die auf einzelne Untersuchungen und Behandlungen fokussiert, berührt Qualitätsmanagement die gesamte Organisationseinheit „Praxis“ mit all ihren relevanten Aufgaben, Zielen, Abläufen und Ergebnissen. So gesehen ist Qualitätsmanagement systematisch angewandter Menschenverstand: dort wo erforderlich, wird durch die Anwendung der in der Richtlinie beschriebenen Elemente und Instrumente die Praxisorganisation optimiert. Dies kann die Klärung von Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten für eine komplexe Diagnostik durch eine Ablaufbeschreibung genauso betreffen wie die Anfertigung einer Checkliste für den Notfallkoffer. Relevant ist dabei zum einen die klare Zielorientierung (Welche relevanten Abläufe sollen optimiert werden?) und zum anderen die Angemessenheit der Maßnahmen, die ausgewählt werden. Aufwand und Nutzen müssen in einem Verhältnis zueinander stehen, das letztlich machbar ist und tatsächlich zu einer Verbesserung führt. Qualitätsmanagement als Selbstzweck kann im Umkehrschluss den Praxisbetrieb behindern.
Die Richtlinie verfolgt deshalb einen pragmatischen Ansatz. Die zur Einführung vorgesehenen Elemente und Instrumente werden regelhaft schon heute in vielen Praxen zur Anwendung gebracht. Die Intention der Richtlinie ist es, dass sich ihre Anwendung systematisch auf alle relevanten Bereiche der ambulanten Einrichtung erstreckt. Ausgangspunkt ist eine umfassende Analyse der eigenen Praxis, die durch eine Selbsteinschätzung oder ergänzend mit Hilfe von Befragungen durchgeführt werden kann. Die Umsetzung der ausgewählten Bereiche, für die Elemente und Instrumente des Qualitätsmanagements zur Anwendung kommen, kann nur im Team erfolgen und gelingen. Qualitätsmanagement zielt deshalb auf die verantwortliche Einbindung all derer ab, die an der Leistungserbringung beteiligt sind. Dies bedeutet insbesondere die enge Zusammenarbeit mit den Arzthelferinnen in der Praxis, die häufig eine tragende Rolle bei der Einführung des Qualitätsmanagements einnehmen.
Die zeitliche Abfolge der Einführung orientiert sich an dem Grundsatz „Planen, Umsetzen, Überprüfen und Weiterentwickeln“. Für die Planungsphase werden zwei Jahre eingeräumt, für die Umsetzung ebenfalls zwei weitere Jahre und schließlich ein Jahr für die Überprüfung des Erreichten. Dieser verhältnismäßig lang gestreckte Zeitraum ermöglicht allen Einrichtungen, ein angemessenes Qualitätsmanagement aufbauen zu können. Die Rolle der Kassenärztlichen Vereinigungen beschränkt sich auf zwei wesentliche Aufgaben: Sie erheben den Stand der Einführung durch Auswertung einer jährlichen Stichprobe von 2,5 % aller Vertragsärzte und -psychotherapeuten, und sie beraten diejenigen Einrichtungen, die keinen der Richtlinie angemessenen Einführungsstand angeben können. Damit wird deutlich, dass im sensiblen Bereich des Qualitätsmanagements der Qualitätsmanagement-Kommission keine sanktionierende Funktion zukommt und neue Wege beschritten werden. Die Auswertung wird dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss als Grundlage für die Weiterentwicklung der Richtlinie dienen. Neu ist auch, dass eine Revision der Richtlinie nach fünf Jahren verbindlich vorgesehen ist. Geprüft werden soll insbesondere, ob eine Sanktionierung im Falle der Nichteinführung erforderlich ist und ob einzelne Qualitätsmanagementsysteme benannt werden („Akkreditierung“) sollen. Beiden Entscheidungen werden qualitativ hochwertige, vergleichende Untersuchungen zugrunde gelegt. Kann in solchen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass durch die Einführung von Qualitätsmanagement, ggf. nach einer speziellen Systematik, eine signifikant bessere Versorgungsqualität resultiert, so wird dies bei der Überarbeitung Berücksichtigung finden. Solche Untersuchungen lagen zum Zeitpunkt der Richtlinienerstellung nicht vor, und ihre Durchführung wird durch die Träger des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses nach § 91 Abs. 5 SGB V ausdrücklich begrüßt.
Die Richtlinie ist durch Veröffentlichung im Bundesanzeiger zum 1. 1. 2006 rechtskräftig geworden. Weiterführende Informationen befinden sich auf den Internet-Seiten der Kassenärztlichen Vereinigungen und der KBV (www.kbv.de).
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