ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2006Arzneimittel: Sparpaket in der Kritik

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Arzneimittel: Sparpaket in der Kritik

Rieser, Sabine

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Besonders umstritten ist die Bonus-Malus- Regelung für ärztliche Verordnungen. Foto: ddp
Besonders umstritten ist die Bonus-Malus- Regelung für ärztliche Verordnungen. Foto: ddp
Fachleute warnen vor Belastung der Patienten und neuer Bürokratie.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags das geplante Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung kritisiert, besonders die geplante Bonus-Malus-Regelung. „Es vergrößert Bürokratie und Intransparenz, treibt Ärzte in die Ethikfalle und wird die Senkung der Arzneimittelkosten bei gleich bleibender Qualität nicht bewirken“, erklärte KBV-Vorstandsmitglied Ulrich Weigeldt am 18. Januar.
Die Bundes­ärzte­kammer äußerte bei der Anhörung ebenfalls Bedenken. Die vorgesehenen Sanktionen beruhten auf statistisch unsicheren Schnellinformationen über Verordnungen, hieß es. Außerdem bringe eine solche Regelung Ärzte gegenüber den Patienten in den Verruf der „honorarverbessernden Minimaltherapie“. Hingewiesen wurde im Bundestag allerdings darauf, dass einzelne Kassen und KVen bereits Bonus- und Malusregelungen erproben. So haben die AOK Sachsen und die dortige KV Ende 2003 einen Bonus-Vertrag geschlossen, für den acht Wirkstoffgruppen ausgewählt wurden. Ergebnisse sollen im März vorliegen.
Die KV Hamburg hatte mit allen Kassen vor Ort eine Zielvereinbarung für 2005 getroffen. Dafür wurden für Wirkstoffe aus 14 Arzneimittelgruppen Zielwerte für Tagestherapiekosten festgelegt. Diese sollen jedoch nur dann greifen, wenn die vereinbarte Ausgabenobergrenze bei Medikamenten überschritten wird. Ergebnisse stehen ebenfalls noch aus.
Die KV Nordrhein hat den Kassen zugesichert, dass 2006 noch mehr günstige Generika und weniger so genannte Scheininnovationen verordnet werden. Dabei wurden für mehrere Facharztgruppen unterschiedliche Quoten festgelegt. Wird das insgesamt vereinbarte Ausgabenvolumen für Arzneimittel überschritten und dazu das individuelle Richtgrößenvolumen des einzelnen Arztes, wird ein Malus von vier Prozent auf das Gesamthonorar des Arztes fällig. Dr. med. Leonhard Hansen, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, verteidigte solche regionalen Vereinbarungen: Es mache einen Unterschied, ob punktuell praktikable Zielvereinbarungen getroffen würden oder ob bundesweit Tagestherapiekosten vorgegeben würden wie im Gesetzentwurf vorgesehen.
Die Spitzenverbände der Krankenkassen forderten ebenfalls Korrekturen am Gesetzentwurf. Sie befürchten, dass Patienten durch die vorgesehenen Veränderungen bei den Festbeträgen nur noch 45 Prozent der Verordnungen ohne Aufschläge erhalten. Denn die Erstattungsgrenzen sollen durchgängig stark gesenkt werden, sodass etliche Firmen ihre Präparate womöglich anders als früher nicht zum oder unter dem Festbetrag anbieten werden. Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen hat deshalb als Alternative vorgeschlagen, die gesetzliche Zuzahlung für solche Arzneimittel zu streichen, die deutlich unter dem Festbetrag liegen: „Gelänge es, durch diese Regelung den Anteil der besonders günstigen Verordnungen von heute zehn auf 30 Prozent zu erhöhen, würden rund 1,4 Milliarden Euro gespart werden.“ Rie
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