ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2006Influenzapandemie: Was im Pandemieplan fehlt

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Influenzapandemie: Was im Pandemieplan fehlt

Dtsch Arztebl 2006; 103(4): A-180

Fock, Rüdiger

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LNSLNS Die deutsche Ärzteschaft weigert sich zu Recht, Prioritäten festzulegen, welche Patientengruppen im Falle einer Pandemie vorrangig therapiert werden. Wurde dies tatsächlich von ihr verlangt? Die Diskussion ist falsch aufgezäumt, wie denn auch der Pandemieplan, von dem hier die Rede ist, so lange kein Plan ist, wie keine realistischen bzw. akzeptablen Vorschläge für dessen Umsetzung gemacht werden können.
Für die Therapie der bereits Erkrankten müssen ausreichend Virostatika bevorratet werden. Punkt. Die Kosten für die Behandlung sind von den gesetzlichen und den privaten Kran­ken­ver­siche­rungen zu tragen. Die Bevorratung für den Pandemiefall hat der Staat im Rahmen der Katastro-
phenvorsorge sicherzustellen. Wer mehrere Hundert Millionen für einen veralteten Pockenimpfstoff ausgibt, von dem kann man verlangen, dass er für den weitaus wahrscheinlicheren Fall einer Influenzapandemie die notwendigen Mittel freimacht . . . Die Kosten hierfür müssen nicht zwangsläufig unermesslich hoch sein, man könnte beispielsweise an ein Umlageverfahren denken, bei dem in einem Steady State eine ausreichende Menge an Grundsubstanz beim Hersteller eingelagert wird, aus deren Bestand dann sukzessive für den laufenden Verbrauch in interpandemischen Zeiten Arzneimittel konfektioniert und laufend ergänzt werden. Der Engpass besteht im Pandemiefall nicht bei der Konfektionierung des Arzneimittels, sondern bei der Herstellung und Beschaffung der Grundsubstanz. Die entscheidende Frage, die in einem Pandemieplan, der seinen Namen verdient, beantwortet werden muss, ist die der Prophylaxe, sowohl für einen potenziellen Impfstoff als auch für Neuraminidasehemmer . . . Die Frage, für welche Personengruppen eine Prophylaxe notwendig und sinnvoll ist, ist keineswegs unethisch und durchaus auch von der Ärzteschaft zu beantworten. Hier gilt es in erster Linie, Angehörige besonders gefährdeter, im Pandemiefall aber auch zugleich zur Versorgung der Erkrankten und zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit besonders benötigte Berufsgruppen zu schützen und arbeitsfähig zu erhalten (medizinisches Personal, Angehörige von Feuerwehr und Polizei etc.). Für diesen Schutz zu sorgen, sollte als eine Frage des Arbeitsschutzes zur Fürsorgepflicht des jeweiligen Arbeitgebers bzw. Dienstherren gehören und in dessen Interesse liegen, wie jetzt bereits die Hepatitis-B-Impfung für Beschäftigte im Gesundheitswesen oder die Bereitstellung entsprechender Schutzkleidung und Atemmasken . . . Ein wichtiger Arbeitgeber im Gesundheitswesen ist übrigens die deutsche Ärzteschaft . . .
Dr. med. Rüdiger Fock, Saarstraße 13, 12161 Berlin
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