ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2006Influenzapandemie: Panikmache zum Werbezweck
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Aufwendige Schutzmaßnahmen in Schanghai 2003: Um SARS-Verdachtsfälle herauszufiltern, wird bei Pendlern die Temperatur gemessen. Foto: dpa
Aufwendige Schutzmaßnahmen in Schanghai 2003: Um SARS-Verdachtsfälle herauszufiltern, wird bei Pendlern die Temperatur gemessen. Foto: dpa
. . . Die Studien zu den Neuraminidasehemmern sind äußerst dünn, das belegt auch die Stellungnahme des Arzneimitteltelegramms 2005, Jg. 36, No. 7. Hier wird darauf hingewiesen, dass Daten zum Einfluss von Neuraminidasehemmern auf die Sterblichkeit von Grippekranken fehlen, die WHO-Beurteilung hinsichtlich der Senkung der Mortalität als „möglich“ beurteilt und eine Verringerung schwerer Sekundärkomplikation wie Lungenentzündung nicht ausreichend belegt ist . . . Die meisten meiner niedergelassenen Kollegen haben keine oder zumindest keine positiven Erfahrungen mit „Tamiflu“ gemacht. Die in der Literatur und Medien immer wieder zitierte Mortalität von 58 Fällen bei 113 Erkrankungen (Vortrag Dr. Leidl, September 2005, Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Köln) im asiatischen Raum ist statistisch, insbesondere unter Berücksichtigung der Bevölkerungszahl und der Lebensart, irrelevant. Es handelt sich hier um eine kampagnenartig vorgetragene Panikmache, die lediglich zu einem Großeinkauf des Neuraminidasehemmers „Tamiflu“, eines Medikaments mit placeboartiger Wirkung und kurzem Verfallsdatum, führen sollte bzw. schon geführt hat. Alleine von den deutschen Gesundheitsbehörden wurden dafür 300 Millionen Euro ausgegeben. Das Geld hätte man besser z. B. für die Erdbebenhilfe in Pakistan verwenden können. Die Kampagne wird jetzt auch von der Bundes­ärzte­kammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wie erwartet unterstützt. Der Ankauf von „Tamiflu“ für nur „zehn Prozent der Bevölkerung“ wird kritisiert und für 20 Prozent empfohlen . . .
Dr. med. Erwin Esch,
Margaretastraße 8,
50827 Köln (Ossendorf)
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