ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2006rund ums Geld: Chaostheorie

VARIA: Schlusspunkt

rund ums Geld: Chaostheorie

Dtsch Arztebl 2006; 103(4): [80]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Takafumie Horie, ein abgebrochener Literaturstudent, ist 33 Jahre alt und ein pausbäckiger Hobbykoch. Der Mann, den viele in Japan für einen mediensüchtigen Emporkömmling halten, fiel in der Vergangenheit durch allerhand verrückte Ideen auf. Vor zwei Jahren versuchte er erfolglos, ein Baseball-Team zu kaufen. Ebenso scheiterte er 2005 mit der Idee, den Radiosender Nippon Broadcasting feindlich zu übernehmen. Aus seinem letzten Coup, sich ins Unterhaus wählen zu lassen, wurde nichts, weil man ihn als Parlamentarier offenbar für untauglich hielt.
Der Japaner ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass an der Chaostheorie etwas dran sein muss. Nach diesem wissenschaftlichen Erklärungsmuster kann, vereinfacht gesagt, der Flügelschlag eines Falters irgendwo im brasilianischen Regenwald über eine Kettenreaktion zu einem Hurrikan mit Folgen für das globale Klima führen.
So ähnlich lief das mit Takafumie Horie. In seinem Hauptberuf ist er Chef der in Japan bekannten Internetfirma Livedoor und galt wegen des stürmischen Wachstums seines Unternehmens als steinreich, bis Mitte Januar Gerüchte über Kursmanipulationen und Bilanzfälschungen die Runde machten. Panikverkäufe vor allem in Livedoor und später über den gesamten Markt lösten an der Börse Tokio ein ziemliches Chaos aus, und am Ende musste die Aufsicht den Aktienhandel aussetzen, allerdings auch wegen technischer Probleme. In Nippon war angesichts horrender Verluste erst mal Wundenlecken angesagt.
Die Weltbörsen, siehe Kettenreaktion, zogen nach. Verstärkt wurde der Kursdruck durch Hiobsbotschaften aus den USA. Intel und Yahoo verängstigten die Anleger durch schlechte Quartalszahlen und noch düsterere Prognosen. Die Aktien von Intel, dem weltgrößten Halbleiterhersteller, fielen an einem Handelstag um zwölf Prozent, bei Yahoo waren die Abschläge ähnlich desaströs. So konnte es keinen mehr überraschen, dass der deutsche Aktienindex DAX sich dem negativen Trend nicht zu entziehen vermochte, zumal steigende Ölpreise den Markt weiter unter Druck setzten. Mit einem Schlag waren alle Prognosen Makulatur, die der Börse hierzulande einen sonnigen Januarauftakt prophezeit hatten; zwischenzeitlich geriet das Kursniveau sogar unter den Stand vom Jahresauftakt. Das alles ist ein Beispiel dafür, wie unberechenbar die Finanzmärkte sind und wohl auch bleiben. Vorsicht bleibt die wichtigste Tugend des klugen Anlegers. Trotzdem, das Geld ist ja nicht weg. Es hat halt nur ein anderer.
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