ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2006Intensivierte Insulintherapie: Schützt vor Makroangiopathie

AKTUELL: Akut

Intensivierte Insulintherapie: Schützt vor Makroangiopathie

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Der Diabetes Control and Complications Trial (DCCT) hatte bereits 1993 gezeigt, dass die intensivierte Insulintherapie das Risiko von Retino-, Nephro- und Neuropathie senkt. Erst 17 Jahre später dokumentiert die Nachfolgestudie auch eine – im Vergleich zur konventionellen Insulintherapie – deutliche Reduktion der kardiovaskulären Spätkomplikationen (NEJM 2005; 353: 2643– 2653) wie Schlaganfall und Herzinfarkt, und dies, obwohl nach dem Ende der DCCT auch die Kontrollgruppe auf eine intensivierte Insulintherapie umgestellt wurde. Am DCCT hatten in den Jahren 1983 bis 1989 insgesamt 1 441 Patienten mit Typ-1-Diabetes-mellitus teilgenommen. Sie waren auf zwei Gruppen randomisiert worden. Die Ergebnisse zeigten, dass der Wunsch nach abwechslungsreichen Mahlzeiten größer war als die Angst vor den schmerzhaften Blutzuckerkontrollen. Die HbA1c-Werte waren unter der intensivierten Insulintherapie im DCCT mit sieben Prozent deutlich günstiger als unter der konventionellen (neun Prozent).

Der präventive Effekt auf die Retinopathie, Neuropathie und die Nephropathie war bereits nach wenigen Jahren messbar. Die Auswirkungen auf die Makroangiopathie ließen länger auf sich warten, sie wurden erst in der Nachfolgestudie EDIC (Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications) erkennbar. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, denn nach dem Ende der DCCT war allen Teilnehmern zur intensivierten Insulintherapie geraten worden. Jetzt liegen die „harten“ Endpunktdaten zu kardiovaskulären Erkrankungen vor. Dass 17 Jahre vergingen, liegt auch an dem jungen Manifestationsalter des Typ-1-Diabetes. Die Teilnehmer sind heute im Durchschnitt 45 Jahre und damit eigentlich noch zu jung, um an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken.

Dennoch kam es bei 31 Patienten (vier Prozent), die von Anfang an eine intensivierte Insulintherapie durchführten, zu 46 kardiovaskulären Erkrankungen. Unter den Patienten, die in den ersten 6,5 Jahren noch eine konventionelle Insulintherapie betrieben hatten, erkrankten 52 Diabetiker (sieben Prozent) an 98 Ereignissen. Die intensivierte Insulintherapie senkte das Erkrankungsrisiko um 42 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall neun bis 63 Prozent; p = 0,02). Der Composite-Endpunkt aus Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärem Tod ging sogar um 57 Prozent zurück (zwölf bis 79 Prozent; p = 0,02). Rüdiger Meyer
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