ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1997Budgetierung: Hexenjagd

SPEKTRUM: Leserbriefe

Budgetierung: Hexenjagd

Budde, Manfred

Zur Diskussion um die Kran­ken­ver­siche­rungskosten
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LNSLNS Frau Dr. med. Gudrun Blaul, Siegerin der KV-Wahl in der Pfalz, hat kürzlich die Vorstellungen der Politiker hinsichtlich der Kran­ken­ver­siche­rung wahnhaft genannt. Verschiedene Gespräche mit gebildeten und einfachen Menschen lassen meine Befürchtung nahezu Gewißheit werden, daß die Hexenjagd der Journalisten, Politiker, Arbeitgeber und Kassenfunktionäre auf die Ärzte zur noch weiteren Verbreitung dieser wahnhaften Vorstellung geführt hat. Die Saat geht auf. Daß es sich tatsächlich um eine Hexenjagd handelt, die von Wahn inspiriert und gesteuert ist, belegen folgende Zahlen: Die Senkung der Kran­ken­ver­siche­rungskosten kann maximal zu einer Senkung der gesamten Lohnkosten (Tariflohn plus 80 Prozent Lohnnebenkosten) von 0,5 Prozent führen. Auf die Herstellerkosten der Industrie wirkt sich diese Lohnkostensenkung so aus, daß eine Reduzierung der Herstellkosten von nur 0,1 Prozent erreicht wird.
Dabei ist zugrunde gelegt,
1 daß der gesetzlich sanktionierte Honorardiebstahl an den Ärzten sich seit 1993 auf ein Drittel zubewegt,
1 daß die Arzneimittelkosten um einen - eher utopischen - Anteil von einem Drittel reduziert werden,
1 daß es tatsächlich gelingt, die Klinikkosten um zehn Prozent zu reduzieren.
Wer da glaubt, der Standort Deutschland wäre mit solchen Effekten, die eher einer Effekthascherei gleichkommen, zu retten, ist entweder dumm oder frech. Dumm ist jeder, der die Zerstörung unseres Gesundheitssystems für erforderlich hält, frech sind diejenigen, die behaupten, daß die Zerstörung des Gesundheitssystems tatsächlich den Standort Deutschland zu retten hilft.
Dr. med. Manfred Budde, Pilarstraße 8, 80638 München
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