ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2006Bioethik: Für Lockerungen beim Embryonenschutz

POLITIK

Bioethik: Für Lockerungen beim Embryonenschutz

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Rheinland-pfälzische Kommission plädiert für die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik und die Aufhebung der im Stammzellgesetz vorgeschriebenen Stichtagsregelung.

Über die Zulässigkeit des Klonens menschlicher Embryonen wird seit langem diskutiert. Neue Nahrung bekam diese Forderung aber vor allem durch die Ankündigung des südkoreanischen Forschers Woo Suk Hwang, der behauptete, die ersten menschlichen Embryonen geklont zu haben. Inzwischen stellte sich allerdings heraus, dass nahezu sämtliche der als bahnbrechend geltenden Forschungsergebnisse gefälscht sind. Dennoch tritt die Bioethikkommission des Landes Rheinland-Pfalz erneut in einem jetzt vorgelegten Bericht dafür ein, „auch das Klonen zum Zwecke der Forschung mit hochrangigem therapeutischem Ziel unter Berücksichtigung der neueren medizinischen Erkenntnisse und unter Abwägung der betroffenen Grundrechte zu regeln“.
Die im Jahr 1985 von der Landesregierung eingesetzte Kommission plädiert außerdem für die umstrittene Präimplantationsdiagnostik. Die gesetzliche Beschränkung, dass innerhalb eines Zyklus nur drei Embryonen erzeugt werden dürfen, soll künftig ebenfalls wegfallen. Die Kommission spricht sich für die Möglichkeit einer Adoption überzähliger Embryonen aus und empfiehlt eine Lockerung des Stammzellgesetzes. Insbesondere die Stichtagsregelung müsse aufgehoben werden. Diese Regelung im Stammzellgesetz stellt sicher, dass nur solche embryonalen menschlichen Stammzellen aus dem Ausland eingeführt und zu Forschungszwecken verwendet werden dürfen, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden. Der Vorsitzende der Kommission, der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP), hält die Stichtagsregelung für verfassungsrechtlich bedenklich. Sie verhindere außerdem eine effektive wissenschaftliche Forschung in Deutschland.
Seiner Ansicht nach hat der Staat zwar eine Schutzpflicht für den Embryo. Allerdings sei der Embryo in der Phase vor der Einnistung in die Gebärmutter noch unentwickelt, sodass ihm nicht dasselbe Schutzniveau zugesprochen werden könne, auf das „weiterentwickeltes vorgeburtliches Leben“ und der geborene Mensch Anspruch hätten. Die Politik müsse sich die Frage stellen, ob embryonale Zellen wirklich derart umfassend schützenswert seien, dass ihnen gegenüber nach einer sorgfältigen Abwägung jedes andere Recht zurücktreten müsse. Keinesfalls dürfe jedoch durch Forschung an humanen embryonalen Stammzellen entwicklungsfähiges menschliches Leben entstehen. Der Embryo dürfe niemals zum Objekt fremden Handelns werden. „Andererseits kann das aber auch nicht bedeuten, die Forschungsmöglichkeiten derart einzuschränken, dass der Entwicklung von heilenden Therapien von vornherein jede Chance verbaut wird“, sagte der Minister. Mit embryonalen Stammzellen könnten wichtige Erkenntnisse über schwerste Krankheiten gewonnen werden.
In einem dem Bericht beigefügten Sondervotum lehnt der katholische Moraltheologe Prof. Dr. Johannes Reiter das Votum als Ganzes ab, weil darin der Embryonenschutz eindeutig an nachgeordneter Stelle rangiere. Gisela Klinkhammer

Der Bericht „Fortpflanzungsmedizin und Embryonenschutz – medizinische, ethische und rechtliche Gesichtspunkte zum Revisionsbedarf von Embryonenschutz- und Stammzellgesetz“ ist abrufbar unter: www.aerzteblatt.de/plus0506.
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