ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2006PSA-Screening: Studie findet keinen Überlebensvorteil

MEDIZINREPORT

PSA-Screening: Studie findet keinen Überlebensvorteil

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Prognose des Prostatakarzinoms hängt nicht vom PSA-Test ab.

Eine aktuelle US-Studie nährt die Diskussion um die Rolle des PSA-Screenings: Danach hat die Tatsache, ob ein Prostatakarzinom durch die Reihenuntersuchung diagnostiziert wurde oder nicht, keinen Einfluss auf die Sterblichkeit der Patienten. John Concato von der Yale-Universität in New Haven und Mitarbeiter sind in einer „Nested“-Fall-Kontroll-Studie der Frage nachgegangen, ob eine Frühdiagnose des Prostatakarzinoms mittels PSA die Überlebenschancen verbessert (Archives of Internal Medicine 2006; 166: 38–43).
Bei einer „Nested“-Studie stammen Fälle und Kontrollen aus der gleichen Kohorte, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich beide Gruppen in möglichst vielen Punkten ähnlich sind. Dies wiederum erhöht deutlich die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse von Fall-Kontroll-Studien, die mit vielen Fehlermöglichkeiten behaftet sind. Concato wählte die Kohorte von 72 000 US-Veteranen, die zwischen 1991 und 1995 an einer von zehn Kliniken in Neuengland behandelt wurden. Sie konnten 501 Veteranen ermitteln, die bis 1999 an einem Prostatakarzinom gestorben waren. Diesen Patienten wurde eine gleich große Gruppe von Personen gegenübergestellt, die ebenfalls an einem Prostatakarzinom erkrankt waren und die gleiche Behandlung erhalten hatten, die aber noch am Leben waren.
Concato ging jetzt davon aus, dass bei den verstorbenen Patienten seltener ein PSA-Test durchgeführt worden war. Dies war aber keineswegs der Fall. Der Anteil der gescreenten Patienten betrug 14 Prozent unter den Verstorbenen und 13 Prozent in der Kontrollgruppe.
Daraus schließen die Autoren, dass ein Überlebensvorteil durch das Screening nicht gesichert sei und fordern die Ärzte auf, die Patienten über die Zweifel am Wert des PSA-Tests zu informieren. Ob dies ein realistischer Vorschlag ist, darf bezweifelt werden, denn die meisten Patienten halten den Test für intuitiv richtig und lassen ihn durchführen, wenn man ihn vorschlägt.
Weitere Erkenntnisse könnte die laufende „European Randomized study of Screening for Prostate Cancer“ bringen, deren Endergebnisse aber erst in einigen Jahren vorliegen werden. Rüdiger Meyer

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