ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2006Interview: Kein Interesse an offener Diskussion
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Auch dieses Interview zeigt nur wieder, dass die Politik überhaupt nicht an einer offenen Diskussion über das Gesundheitswesen interessiert ist. Sie stellt immer nur auf die Aufgaben der Krankenkassen und der Selbstverwaltung ab. Aber beide Seiten haben sowohl auf die Einnahmen- als auch Ausgabenseite nur sehr begrenzten Einfluss, sollen aber eine moderne wissenschaftlich orientierte Medizin für alle Bürger dieses Landes garantieren. Niemand macht sich ernsthaft darüber Gedanken, dass die demographische Entwicklung, der Anteil der Gesamtbevölkerung als aktive Einzahler in das System, die Weiterentwicklung der medizinischen Wissenschaften usw. Einfluss auf die Kostenstrukturen haben. Es wird nur mehr auf die Aufgabe des Arztes und des Krankenhauses, aus Gründen der Moral und Ethik Menschen zu betreuen, abgestellt. Aber wir sind auch Arbeitgeber und wollen unsere Praxen und Kliniken erhalten, und damit auch Arbeitsplätze, die wiederum Grundlage für Einnahmen sind. Abgesehen davon, dass wir unsere eigene Kranken- und Rentenvorsorge ohne staatliche Hilfe leisten müssen und wollen und unseren Kindern ihre Bildung nach Schulabschluss sowieso selbst finanzieren. Tatsache ist es, dass der EBM und damit notwendige Honorarverteilungsmaßstäbe nie die tatsächlich erbrachte Leistung widerspiegeln. Auch die DRGs in den Krankenhäusern erfüllen diese Aufgabe nicht . . . Die Politik müsste schon sagen, wie sie das System zukünftig sicher finanzieren will und welche Leistungen der einzelne Betroffene als „Grundleistung“ dafür erwarten darf. Die Ärzteschaft würde dabei sicherlich behilflich sein, zumal sie dadurch eine Sicherheit im täglichen Diskurs mit den Versicherten hätte. Es gibt keine Patentlösung, die man aus der Schweiz oder den Niederlanden übernehmen könnte. Es ist aber genauso falsch, bei den Bundesbürgern immer wieder nur die Hoffnung zu nähren, es bliebe so, wie es ist. Wir Ärzte müssen nach wie vor diesen Mangel erklären, und das raubt uns Zeit an Patientenbetreuung und die Freude an der Arbeit. Den Willen, prophylaktisch tätig zu werden, bekommen wir schon lange nicht mehr honoriert . . . Ich persönlich sehe nur eine Lösung: Das Gesamtsystem muss auf den Prüfstand. Und das vermögen Ärzte, die tagtäglich in hervorragender Weise ihrer Pflicht nachkommen als Freizeitbeschäftigung nicht zu lösen.
Dipl.-Med. Karl-Heinz Sewekow, Berliner Allee 51, 13088 Berlin
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige