ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2006Die Andere Medizin: Ein Ratgeber für medizinische Laien
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LNSLNS Als „Schlussgutachter“ dieses Buches sei es mir erlaubt, zu den Ausführungen von Kienle und Kiene kurz Stellung zu nehmen. Ein Vorwurf ist es, dass das methodische Vorgehen nicht transparent sei. Zunächst muss hier noch einmal ausdrücklich betont werden, dass es sich bei dem Buch „Die Andere Medizin“ um einen Ratgeber für medizinische Laien handelt und nicht – wie unterstellt – um eine fachwissenschaftliche Studie. Ich kenne allerdings kein anderes Laienbuch, das derart viel Transparenz aufweist. In einem eigenen Kapitel wird auf vier Seiten (52–55) genau erklärt, wie wir gearbeitet haben. Natürlich lässt sich dies in einem solchen Werk nicht in der gleichen detaillierten Weise darstellen wie in einer wissenschaftlichen Abhandlung. Wir mussten also Kompromisse in der Darstellung machen. Dennoch wird zum Beispiel erwähnt, dass wir spezifische Literaturrecherchen für jedes Thema in Medline, Embase und CISCOM durchgeführt haben. Ferner wird erläutert, dass wir uns, wo möglich, auf systematische (Cochrane-)Reviews oder Metaanalysen bezogen haben, und die Auswertungskriterien solcher Reviews sind bekannt und transparent. Auch stimmt es nicht, dass wir dem Leser die Quellen vorenthalten. Laien wollen sicher kein seitenlanges Literaturverzeichnis. Daher haben wir uns entschlossen, interessierten Lesern die Literaturlisten auf Anfrage zur Verfügung zu stellen (Anfragen an das Lektorat Sonderpublikationen der Stiftung Warentest, Fax-Nr.: 0 18 05/9 92 27 70 23) . . . Der pauschale Vorwurf von „zahlreichen Fehlern“ ohne jegliche Konkretisierung ist jedoch eine Anschuldigung, gegen die sich niemand wehren kann – sie ist nicht gerade das, was man in England als „fair play“ bezeichnen würde. Schließlich meinen Kienle und Kiene, dass die „Komplexität“ des Themas für mich und „zwei Journalisten“ eine Überforderung unserer Kompetenz darstellt. Hätten sie besser recherchiert, so wüssten sie, dass sich die Stiftung Warentest nicht erst seit gestern mit der Bewertung komplementärmedizinischer Therapien befasst und dass beide Autorinnen, die übrigens bereits die ersten Ausgaben des Handbuchs „Die Andere Medizin“ (1990–1996) verfasst haben, medizinisch versierte Fachjournalistinnen sind. Ich befürchte, dass die Kritik der Anthroposophen Kienle und Kiene im Wesentlichen darauf beruht, dass wir das anthroposophische Gesamtkonzept als „nicht nachgewiesen“ einstufen – und hier könnte nur eminenz-, nicht aber evidenzbasierte Beurteilung zu einem günstigeren Urteil gelangen.
Prof. Edzard Ernst,
Complementary Medicine,
Peninsula Medical School,
25 Victoria Park Road,
Exeter, EX2 4NT, U.K.
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