ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2006Telematik: Schleierhaft
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LNSLNS Oh du wunderschöne neue Welt der Telematik. Gleich im Anfang des Artikels wird er etwas spöttisch und herablassend der „Dümmste Anzunehmende User“ genannt. Gemeint ist hier mein gesetzlich krankenversicherter Patient, der sich in Zukunft mit so eingängigen Begriffen wie PIN, Zugriffe der Heilberufler, Not­fall­daten­satz, Zugriffsverweigerung usw. beschäftigen muss, um ja seine „Gesundheitsdaten“ zu schützen, die „zu den sensibelsten personenbezogenen, aber auch durch das Datenschutzrecht besonders stark geschützten Daten überhaupt“ gehören. Meist ist der Patient nicht dumm, sondern er versteht nur nichts von der Technik, mit der er hier umgehen soll. Und das müsste er aber, um die Sicherheit seiner Daten schützen zu können. Egal, ob er jung oder alt, gesund oder krank oder behindert, vielleicht blind oder bettlägerig ist. Daneben muss man die Ärzte in ihren Praxen sehen, die sich vor allem mit der Gesundheitsversorgung ihrer Patienten beschäftigen sollten, jetzt aber mit ihrem Heilberufsausweis, autorisiert durch die PIN des Versicherten, auf die elektronische Patientenakte zugreifen können, die vermutlich aber nicht vollständig sein wird, weil sich kein Mensch auskennt, was wo und wozu gelagert werden soll. Ärzte gehören auch nicht zu der Gruppe Menschen, die sich derart mit technischen Finessen auskennen, dass sie für die Sicherheit der von ihnen verarbeiteten Daten garantieren können. Wie man davon ausgehen kann, dass unter solchen Bedingungen auch nur ansatzweise der Schutz der Patientendaten gewährleistet werden kann, wie man davon ausgehen kann, dass Daten, die auf einem nicht näher beschriebenen Server liegen, nicht geknackt werden können im Zeitalter von erfolgreichen Angriffen sogar auf die Rechner des Pentagons, wie man davon ausgehen kann, dass solche Datenverschiebereien ins Ausland, wie wir sie bei den DMP erlebt haben, in Zukunft ausbleiben sollten, das bleibt mir als dem „DAL“, dem dümmsten anzunehmenden Leser, schleierhaft . . .
Dr. med. Alfried Schinz,
Pöltnerstraße 20, 82362 Weilheim
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