ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2006Dispositionsgen für den erblich bedingten Haarausfall identifiziert

MEDIZIN: Referiert

Dispositionsgen für den erblich bedingten Haarausfall identifiziert

shm

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS An erblich bedingtem Haarausfall (Androgenetische Alopezie, AGA) leiden annähernd 50 Prozent aller Männer der europäischen Allgemeinbevölkerung in unterschiedlichem Ausmaß. Schon lange wird vermutet, dass männlichen Geschlechtshormonen eine entscheidende Rolle am Entstehungsprozess der AGA zukommt. Bislang waren allerdings die molekularen Grundlagen der AGA unbekannt.
Die Autoren haben Familien untersucht, in denen mindestens zwei Personen eine früh einsetzende AGA haben. Sie konnte auf dem langen Arm des X-Chromosoms eine für die AGA relevante chromosomale Region identifizieren. Innerhalb der Region liegt das Gen für den Androgenrezeptor (AR). Aufgrund der vermuteten Bedeutung der Androgene an der AGA-Entstehung wurde daraufhin die Häufigkeit von Varianten im AR-Gen an zwei Kollektiven mit früh einsetzender AGA untersucht und entsprechenden Kontrollen gegenübergestellt.
In beiden Kollektiven kamen bestimmte genetische AR-Genvarianten bei betroffenen Personen hochsignifikant häufiger als bei Kontrollen vor. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nahezu die Hälfte aller AGA-Fälle (46 Prozent) auf disponierende Varianten im AR-Gen zurückzuführen sind. Durch die Befunde konnte auch die verbreitete Vermutung widerlegt werden, wonach die AGA vorrangig väterlich vererbt wird. Vielmehr wird ein Großteil der AGA-Fälle über das X-Chromosom und somit maternal weitergegeben. Bei einer der untersuchten AR-Varianten könnte es sich um die verursachende genetische Veränderung handeln: Von dem assoziierten Allel ist bekannt, dass es mit einem erhöhten AR-Spiegel einhergeht. Weiterführende Untersuchungen sollen den Entstehungsprozess genauer aufklären. shm

Hillmer AM, Hanneken S, Ritzmann S et al.: Genetic variation in the human androgen receptor gene is the major determinant of common early-onset androgenetic alopecia. Am J Hum Genet 2005; 77: 147–148.

Prof. Markus M. Nöthen, Department of Genomics, Life & Brain Center, Universität Bonn, Sigmund-Freud-Strasse 25, 53127 Bonn, E-Mail: markus.noethen @uni-bonn.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema