ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2006Novartis: Erneut Rekordergebnis

VARIA: Wirtschaft

Novartis: Erneut Rekordergebnis

Dtsch Arztebl 2006; 103(5): A-273 / B-237 / C-233

Hibbeler, Birgit

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Rekordgewinn – wie gewohnt: Novartis-Chef Daniel Vasella präsentiert in Basel das Konzern- Ergebnis. Foto: dpa
Rekordgewinn – wie gewohnt: Novartis-Chef Daniel Vasella präsentiert in Basel das Konzern- Ergebnis. Foto: dpa
Trotz Milliardengewinn ist die Stimmung beim Schweizer Pharmakonzern gedämpft.

Eigentlich hat der Schweizer Pharmakonzern Novartis allen Grund zur Zufriedenheit: Zum neunten Mal in Folge konnte das Unternehmen sein Jahresergebnis verbessern. Der Nettoumsatz stieg 2005 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf
32,2 Milliarden US-Dollar, der Reingewinn um zehn Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar. Und dennoch – überschwenglich war die Stimmung auf der Bilanzpressekonferenz am 19. Januar in Basel nicht. Der Konzern blieb hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Auch die Prognose von Novartis-Chef Daniel Vasella für das laufende Jahr fiel eher zurückhaltend aus. Für 2006 erwartet er einen Umsatzzuwachs „im hohen einstelligen Bereich“.
Dabei hat der Pharma-Riese in jüngster Zeit kräftig expandiert und seine Produktpalette erweitert. Durch den Kauf von Chiron (USA) wird Novartis künftig auch in der Impfstoffproduktion aktiv sein – ein interessanter Markt nicht zuletzt angesichts einer drohenden Influenza-Pandemie. Mit der Übernahme von Bristol-Myers Squibb (USA) sicherte man sich zudem weitere Anteile am Markt der rezeptfreien Präparate (OTC). Auch in der wachsenden Generika-Sparte wird Novartis verstärkt mitmischen: Das Unternehmen erwarb im vergangenen Jahr Hexal (Deutschland) und Eon Labs (USA).
Die zahlreichen Übernahmen im Jahr 2005 zie-
hen Spekulationen über weitere Zukäufe nach sich. Im Gespräch: das Schweizer Biotechunternehmen Serono. Von Novartis gibt es zu diesen Gerüchten jedoch keinen Kommentar. Vasella wollte sie weder bestätigen noch dementieren.
Novartis ist 2005 nicht nur durch Zukäufe gewachsen, auch die bekannten Blockbuster verkauften sich gut. Dazu zählt der Angiotensin-II-Rezeptorantagonist Diovan, in seiner Wirkstoffgruppe Marktführer. Das Zytostatikum Glivec und das Bisphosphonat Zometa sind weitere Spitzenreiter von Novartis. Stolz ist man außerdem auf das seit 2005 in Europa zur adjuvanten Therapie beim Mammakarzinom zugelassene Präparat Femara, das nach Angaben Vasellas auf dem Weg zum Goldstandard ist.
Für 2006 setzt der Konzern besonders auf zwei neue Produkte: Das Antihypertensivum Rasilez und das orale Antidiabetikum Galvus. Rasilez ist ein Renin-Inhibitor und wird als erstes Präparat die-
ser neuen Wirkstoffgruppe auf den Markt kommen. Novartis verspricht eine Wirksamkeit über 24 Stunden ohne morgenliche Blutdruckspitzen. Rasilez wird voraussichtlich 2006 sowohl in den USA als auch in Europa die Zulassung erhalten. Ein weiterer Umsatzgarant soll Galvus zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 werden. Galvus erhöht nicht nur die Insulinsekretion, sondern hemmt gleichzeitig die Glukagon-Freisetzung und die Glucoseresorption im Darm. Galvus soll sowohl in Mono- als auch Kombinationstherapie einsetzbar sein.
Novartis setzt 2006 also ganz auf die „Wohlstandskrankheiten“. Seit Jahren engagiert sich das Unterneh-men allerdings auch für die „vergessenen Krankheiten“ in den Entwicklungsländern. Novartis unterhält ein Labor
in Singapur. Forschungsschwerpunkte: Tuberkulose und Denguefieber. Außerdem hat Novartis mehr als sechs Millionen Patienten weltweit eine Artemisin-basierte Malaria-Therapie (Coartem) zum Herstellerpreis zur Verfügung gestellt. Etwa drei Millionen Menschen erhielten eine unentgelt-
liche Lepra-Behandlung. Novartis gab für seine Initiative im Bereich der globalen Gesund­heits­förder­ung im letzten Jahr rund 700 Millionen US-Dollar aus.
Für eine „gute Sache“ verzichtet Novartis also auch schon mal auf ein paar Millionen Dollar. Dass aber die Politik in die Preisgestaltung von Arzneimitteln eingreift, sieht das Unternehmen nicht gerne. Die deutsche Politik stelle die Arzneimittelausgaben einseitig in den Mittelpunkt der Sparmaßnahmen, monierte Dr. Emmanuel Puginier, Chef von Novartis Deutschland. Arzneimittel seien aber nur ein Teil der Lösung, wenn es darum gehe, die Ausgaben der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung einzudämmen. Puginier kritisierte die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen in Deutschland. „Das macht die Planung für uns schwierig“, betonte er. Die Nutzenbewertung von Arzneimitteln durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen birgt nach Ansicht Puginiers Risiken. „Der Prozess ist intransparent“, sagte er. Außerdem mache es die Politik den Ärzten immer schwerer, innovative Medikamente zu verordnen.
Trotz aller Schwierigkeiten stieg der Umsatz von Novartis in Deutschland 2005 um fast 63 Prozent, von 1,2 Milliarden auf 1,9 Milliar-
den Euro. Novartis ist damit die führende Unternehmensgruppe auf dem deutschen Arzneimittelmarkt. Ein Hauptfaktor für den Umsatzsprung ist die Integration von Hexal. Ohne den Zukauf hätte die Umsatzsteigerung bei 13,8 Prozent gelegen.
Dr. med. Birgit Hibbeler

Novartis: Eine Erfolgsgeschichte
1996 fusionierten die Firmen Sandoz und Ciba-Geigy zu Novartis, dem heute weltweit viertgrößten Pharma-Konzern. Den größten Teil seines Milliardenumsatzes erzielt der Konzern durch pharmazeutische Produkte. Der Bereich Consumer Health steht an zweiter Stelle: Die Novartis-Gruppe produziert Trink- und Sondennahrung (Medical Nutrition), Baby- und Kindernahrung (Gerber), Tierarzneimittel (Novartis Animal Health), Kontaktlinsen (Ciba Vision). In jüngster Zeit hat Novartis kräftig expandiert. Der Konzern übernahm Chiron, Bristol-Myers Squibb und die Generika-Hersteller Hexal und Eon Labs. Zum neunten Mal in Folge konnte das Unternehmen 2005 sein Jahresergebnis verbessern.
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