ArchivDeutsches Ärzteblatt6/1997Ethik: Wie einfach für die Männer!

SPEKTRUM: Leserbriefe

Ethik: Wie einfach für die Männer!

Straßenburg, Helga

Zu den Leserbriefen "Gefahr" von Dr. med. Herwig Alois Stingl und "Verurteilung vermißt" von Dr. med. Willi Paquet in Heft 51-52/1996, die sich auf den Beitrag "Nürnberger Erklärung" in Heft 47/1996 bezogen
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LNSLNS . . . Alle, die so sehr das ungeborene Leben schützen wollen, fordere ich auf, sich einmal damit zu befassen, warum Frauen abgetrieben haben und immer noch abtreiben. Was tun diese Kollegen für das geborene Leben? Stellen sie schwangere Frauen ein? Stellen sie Mütter mit Kleinkindern ein? Spenden sie für Kindertagesstätten etc.? Meinen diese Kollegen etwa, die Entscheidung für eine Abtreibung schüttelt eine Frau aus dem Ärmel? Ich habe mich mit älteren Gynäkologen unterhalten, die vor 1972 (als in der DDR noch nicht abgetrieben werden durfte) tätig waren. Sie haben mir berichtet, wie Nacht für Nacht junge Frauen an selbstinduzierten Aborten verstorben sind und Kinder als Halbwaisen zurückließen. Es gibt etliche Frauen, denen während der Narkose Tränen die Wangen herunterrannen. Schon der mechanische Akt der Abtreibung - die Frau muß ihre intimste Region den Blicken aller Tätigen preisgeben - ist nicht dazu angetan, sich wohl zu fühlen. Und alles müssen die Frauen allein über sich ergehen lassen! Als ich . . . mit drohendem Abort in der Klinik lag, erlebte ich viele Tragödien. Täglich mußten die Schwestern mindestens einer Schwangeren mitteilen, daß sich der Kindesvater lossagte. Wie einfach für die Männer! Ärzte sind nicht nur die, die Abtreibungen vornehmen! Ich kenne Ärztinnen im Praktikum, die sich todunglücklich eine Abtreibung vornehmen ließen. Warum wohl? Kinder sind in der reichen BRD ein anerkanntes Armutsrisiko. Möchte Dr. Stingl, daß kein Arzt mehr eine Abtreibung vornimmt? Sollen dann wieder, wie im Mittelalter und vor 1972, Kurpfuscher die Frauen umbringen? . . . Außerdem glaube ich nicht, daß es den Kollegen Freude macht . . ., sie sehen nur ein bißchen weiter . . .
Dr. med. Helga Straßenburg, Maybachstraße 1a, 14471 Potsdam
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